Schon die Dusche morgens, erst zu heiß, dann zu kalt. Dann die Kniestrümpfe, irgendwie beißen sie. Abgesehen davon ist auch noch Samstag, Einkaufstag also - auf in den Supermarkt, wo keiner keinen kennt.

An der Käsetheke steht der Wohnungsnachbar, Herr Berthold. Ein Lehrer, glaube ich. Grämlich sagen wir einander "hallo". Was hat er nur alles in seinem Einkaufswagen liegen: eine Packung Magen-Darm-Tee - ob Herr Berthold Durchfall hat? Zwei Brötchen, hundert Gramm Aufschnitt - besucht ihn die Dunkelhaarige nicht mehr? Ein Glas "Hühnchen in Gemüse, ab 4. Monat" - hilft das gegen Depressionen?

Im Supermarkt bleibt nichts geheim.

Heute also nur abgepackten Käse. Vor dem Kühlregal ein abgestellter Einkaufswagen, ein kleines Dickerchen im Kindersitz. Es langweilt sich und quengelt. Bekommt auf einmal glasige Augen und schabt sich rhythmisch an dem Bügel zwischen den Beinchen. Alles guckt.

Die Mutter schiebt dem Kind ein paar "Fruchtige Würmchen" in den Mund. Hilft nichts. Sie reißt das Kind aus der Verankerung, daß es mit den Schuhen hängenbleibt. Der Wagen kippt: Hundefutter, tiefgefrorene Fritten, eingeschweißtes Jungbullenfleisch, Saucenwürfel ...

Lauter Schweinkram. Die Eltern ordnen die Einkäufe neu, sie haben eine kalkigweiße Haut und ziemlich glanzlose Haare. Das kommt davon, möchte man sagen.

Da schießt Marina aus dem Bodyshaping-Kurs um die Ecke, den Wagen voller Grünzeug, erblickt die Flasche Tequila in meiner Einkaufskarre: "So eine bist du also", sagt sie nur und ist schon wieder weg.