Gemischte Gefühle diesmal beim Osterspaziergang durchs Bundesviertel.

In der zukunftsträchtigen Bundesstadt Bonn wird abgerissen! Zwar drehen sich woanders noch die Kräne. Aber über dem "Bonn-Center" ragen die Riesenarme von Abbruchbaggern empor. Ladenzeilen werden weggeräumt, mangels Geschäftsgang und anderweitigem Interesse.

Dabei sollte das Center einst ein stolzes Symbol sein. "Manhattan am Rhein", hieß es mit der ortsüblichen Euphorie, als das achtzehnstöckige Hochhaus samt Seitentrakten Ende der sechziger Jahre hochgezogen wurde. Freilich, die feinen Läden kümmerten schon bald dahin.

Der durchschnittliche Bonner Ministerialrat kauft nun einmal nicht Armani. Auch das Luxushotel samt Präsidentensuite und Spitzenrestaurant wollte nicht recht gedeihen und zog nach ein paar Jahren um.

Das lag auch an der Lage, an dem eingeklemmten Platz zwischen Deutschlands meistbefahrener Bahnlinie und einer Ausfallstraße.

Nie haben sich die Lokalmatadore und andere Illusionisten eingestehen wollen, daß das schmale Rheintal keine große Entfaltung erlaubt.

Wo man sie dennoch versuchte, wurde es eng, zum Beispiel mit einem Umspannwerk gleich hinter den neuen Museen des Bundes und der Stadt. Oder eben beim "Bonn-Center", das Autofahrer nur auf abenteuerlichen Umwegen erreichen können, weil die Bewohner des angrenzenden Villenviertelchens mit Recht gegen den Geschäftsverkehr Front gemacht haben.