Ein Wirtschaftsprüfer soll jetzt die schwer angeschlagene Mittelstandsvereinigung der CDU/CSU (MIT) überprüfen und die unrühmliche Spendenaffäre aufarbeiten, damit der Neuanfang wirklich mit dem "sauberen Schnitt" beginnt, den der kommissarische Vorsitzende Hansjürgen Doss, CDU-MdB, versprochen hat. Das ist auch nötig, denn diese Parteigruppierung hat offenbar nichts aus der Flick-Parteispenden- Affäre der achtziger Jahre gelernt. Der mittlerweile ausgeschiedene MIT-Hauptgeschäftsführer Peter Helmes kooperierte eng mit dem obskuren Spendensammler Hannes Müller, obwohl CDU-Parteischatzmeisterin Brigitte Baumeister alle Unter- und Nebengliederungen ihrer Partei eindringlich vor Müllers Praktiken gewarnt hatte. Der kassierte mit seiner etwa fünfzigköpfigen Drückerkolonne von dem gesammelten Geld - rund 100 000 Mark für MIT - vierzig Prozent Provision.

Das ist steuerrechtlich höchst fragwürdig und könnte noch Folgen für die Spender haben. Denn die bekamen Spendenquittungen über den gemeinnützigen Gesamtbetrag, von dem dann vierzig Prozent alles andere als gemeinnützig in Müllers Taschen flossen. Für MIT ist die Affäre besonders ärgerlich, weil die aus der Fusion von CDU-Mittelstandsvereinigung und CDU/CSU-Wirtschaftsvereinigung entstandene Organisation gerade mal ein Jahr lang besteht und als neuer Hoffnungsträger für rund 43 000 stramme Mittelständler galt. Nun mußte Vorsitzender Klaus Bregger zurücktreten, weil ihm entgangen war, was für faule Geschäfte in seiner unmittelbaren Nähe stattfanden.

Müller hat mit seiner Geldeintreiber-Truppe, die sich "Christlich Soziales Menschenbild" nennt, übrigens nicht nur Parteispenden eingeworben. Der mittlerweile per Haftbefehl gesuchte Müller steht auch im Verdacht, Mittelständler auf noch ganz andere Weise ausgenommen zu haben. So soll er ihnen beim Kauf teurer Autos Rabatte zwischen 35 und 45 Prozent versprochen haben. Die Spender, die von dem Traumangebot reichlich Gebrauch machten und Müller die Kaufsummen überwiesen, warten noch heute aufs Auto. Damit wäre ganz nebenbei wieder einmal bewiesen, daß es mit etlichen deutschen Mittelständlern nicht weit her ist. Firmenchefs, die an solche Rabatte glauben und dafür Tausende vorstrecken, werden den Wirtschaftsstandort Deutschland kaum voranbringen. Da Müller stets als MIT-Abgesandter auftrat, drohen möglicherweise noch Regreßansprüche. MIT hat daher vorsorglich Strafanzeige wegen Betrugs und Untreue gestellt.

Daß außer Helmes noch andere Vorstandsmitglieder in die Affäre verwickelt sind, hält die neue MIT-Leitung für unwahrscheinlich.

MIT-Schatzmeister Friedrich Hassbach wußte definitiv nichts von den Machenschaften, und Bregger übernahm schließlich die politische Verantwortung.

Weshalb er dem geschaßten Helmes noch eine Abfindung von 100 000 Mark einschließlich eines positiven Zeugnisses bewilligte, bleibt dennoch rätselhaft. Glücklicherweise ist das Geld noch nicht ausgezahlt, so daß es gegen etwaige Schäden aus Helmes Geschäftsführung aufgerechnet werden könnte.