Das hätte er wohl nie gedacht, der frühere Hamburger Bürgermeister Johann Georg Mönckeberg, daß es einmal so weit mit ihm kommen würde. Vor den Gestaden der Bahamas schaukelt heute der alte Elbdampfer, der auf seinen Namen getauft ist.

Nein, mit Piraterie hat das Schiff nichts zu tun, obwohl dieses finstere Gewerbe in der Karibik auf eine lange Tradition zurückschauen kann. Die zahlreichen versteckten Buchten boten den Briganten ideale Bedingungen für Raubüberfälle, und durch falsch gesetzte Leuchtfeuer wußten sie diesen Vorteil noch tückisch zu verbessern.

Den Seeräubern folgten die Schmuggler. Die gibt es heute noch in großer Zahl. Es ist nicht mehr der Rum, der bis 1933 in das durch Prohibition fast ausgetrocknete Amerika verfrachtet wurde, heute sind es Drogen wie Kokain und Crack. Die aus Kolumbien kommende Ware wird bis zum Weitertransport in die Vereinigten Staaten auf den vielen winzigen Inseln der Bahamas versteckt.

Mönckeberg, der "Bürgermeister Pfennigfuchser", so die wenig respektvolle Bezeichnung der Hanseaten für ihren knausrigen Stadtpräsidenten am Ende des letzten Jahrhunderts, müßte jedoch nicht beunruhigt sein, wenn er heute noch lebte. Im ehrbaren Gewerbe des internationalen Kreuzfahrttourismus verdient das Schiff mit seinem Namen gutes Geld. Das Geschäft mit der Seefahrt boomt, und darum hat der Hamburger Industriedesigner Uli Schwartau eine neue Idee verwirklicht: Kreuzfahrten in unberührte Natur.

Die großen seegängigen Luxusdampfer sind dazu nicht geeignet.

Nur kleine flachgehende Schiffe ohne Kiel können nahe an die einsamen Strände der unbewohnten Inseln herankommen, die unter dem Namen Family Islands zuhauf im Wasser liegen. Am besten eignen sich Katamarane. Sie bleiben auf keiner Sandbank liegen, kratzen an keinem Korallenriff.

Das Kapital besorgten sich Uli Schwartau und sein Partner, ein Hamburger Rechtsanwalt, bei der Hanseatischen Capital Investitionsgesellschaft.