Unser Thema heute, wir verdanken es dem Wiener Burgtheater: der leidenschaftliche Mensch. Das Photo auf dieser Seite zeigt gleich zwei Prachtexemplare der leider aussterbenden Gattung: Baron Scarpia, den berüchtigten Polizeichef, und Floria Tosca, die hochberühmte römische Sängerin. Wir sehen einen der leidenschaftlichen Gipfelpunkte des Dramas: Soeben hat der geile Baron wieder einmal versucht, sich des schönen Leibes der Sängerin gewaltsam zu bemächtigen.

Doch die Begehrte wehrt die Attacke mit Könnerschaft ab: Ein Glas Rotwein, zielsicher entleert (bei der Photoprobe war es wohl noch ein Glas Wasser), kühlt die Sinne des erhitzten Mannes. Aber nicht lange ...

Scarpia! Tosca! Jeder, der das Leben, die Kunst und die Leidenschaft liebt, dürfte den beiden schon einmal begegnet sein, ob in der Arena von Verona, ob im Musiktheater von Gelsenkirchen. "Tosca", eine Oper, ein Meisterstück von Giacomo Puccini: die geglückte Verschmelzung von politischem Reißer und Herzensaffäre. Eine Musik, so seelenvoll wie effektsicher, gemacht aus Stahl und Schmalz.

Tosca (Sopran), zwischen zwei in Liebe lodernden Männern: dem niederträchtigen Polizeichef Scarpia (Baß) und dem edelsinnigen Maler Cavaradossi (Tenor). Am Ende der Oper sind alle drei naturgemäß tot. Zum Leben des leidenschaftlichen Menschen gehören die maßlosen Lüste ebenso zwangsläufig wie der gräßliche Tod. Doch in der Oper stöhnt die Lust nicht, sondern singt; und der Tod röchelt nicht, er jubiliert.

Nun aber ist "Tosca" unter die Schauspieler gefallen - und gleich ins Wiener Burgtheater, einstmals die führende Sprechoper Theaterdeutschlands.

Warum?

Fast jeder kennt "Tosca", die Oper. Fast keiner mehr kennt "Tosca", das Schauspiel von Victorien Sardou, das Puccini zu seiner Oper animierte. Dabei war das Stück zu seiner Zeit ein Knüller, die unsterbliche Sarah Bernhardt hat als Tosca das Publikum bezaubert und schaudervoll gerührt. Erzählt man. Zum Glück kann niemand solche Theaterlegenden überprüfen.