Große Hallen gehen einem ans Gemüt. Ist ihre steinerne Monumentalität plump, drücken sie die Stimmung, sind sie wie in Barock und Rokoko voll Zierat, machen sie fröhlich. In riesigen Kathedralen lassen sie einem oft den Atem stocken, und manchmal ist nicht klar, ob man sich darin klein fühlen oder eine himmlische Hoffnung spüren soll. Nicht selten aber ist es die reine Raumlust, die einen beim Betreten großer Hallen packt, vor allem wenn sie aus Stahl und aus Glas gemacht sind und nichts als Licht einen umgibt, so wie die, welche den Mittelpunkt der Leipziger Neuen Messe bildet.

Ihr Raum ist purer Luxus, niemand braucht ihn für irgend etwas, es sei denn zum Vergnügen der Augen. Und so stellt diese Halle ja auch ein Zeichen dar, das in jedermanns Erinnerung haften bleiben soll, so wie das Staunen, das unweigerlich jeden darin überkommt, sei es wegen ihrer Größe - 243 Meter lang, 80 breit, 30 hoch bis zum Scheitel des gläsernen Gewölbes -, sei es wegen ihrer zauberischen Transparenz, sei es wegen der Idee und ihrer abenteuerlichen Konstruktion.

Heute, am 12. April, eröffnet Bundespräsident Roman Herzog darin die Neue Messe.

Das ist schon wahr: Die alte Messe südlich der Leipziger Innenstadt, nicht weit vor dem Völkerschlachtdenkmal, lag, als sie 1920 dort gebaut wurde, ganz weit draußen, aber, nachdem die Stadt ihr nachgewachsen war, auf einmal ganz nahe. So versteht man, daß manche Leute dem Charme nachtrauern, der sich aus der Nähe zur City entwickelt hatte. Dazu gehörte auch die Innenstadt-Quälerei mit dem Verkehr.

Auf einmal jedoch, als der Muster-Messen-Glanz der DDR verblichen war und man merkte, wie marode alles mittlerweile geworden war, und als errechnet wurde, daß es beinahe 800 Millionen Mark kosten würde (und die Messe zwei Jahre lang stillgelegt werden müßte), um sie auf Schwung zu bringen, entschied die Stadt sich 1991, sie ganz woanders und vollständig neu zu bauen, und selbstverständlich aufsehenerregend.

Das ist nun aber auch wahr: Für Berliner oder Hamburger sind die sieben Kilometer vom Hauptbahnhof zur Neuen Messe im Norden hinter Mockau ein Katzensprung; für Leipziger hingegen liegt die Messe jottwedee, janz weit draußen "auf der grünen Wiese", genauer, auf einem Flugplatz, von dem zuletzt die gelben Agrarflugzeuge gestartet waren. Die Straßenbahn der Linie 16 mit ihren nagelneuen Wagen aber braucht keine halbe Stunde dorthin.

Nun ist die Neue Messe, ein großer Komplex aus fünf Hallen, einem Kongreßzentrum und einem Verwaltungsbau rings um die große Glashalle, in tatsächlich kaum drei Jahren errichtet worden - eine abenteuerliche Anstrengung, die denn auch diejenigen zu gemeinsamem Tun genötigt, wenn nicht inspiriert hat, die sich sonst ein Bein zu stellen gewöhnt sind: den Bund (wegen der zu verlegenden Bundesstraße 2), die Bahn (wegen eines neuen Bahnhofs und neuer Geleise für die projektierte S-Bahn), die Stadt und die mit ihr in einem Kommunalen Zweckverband operierenden Nachbargemeinden (wegen der zwölf neuen Bebauungspläne, der Infrastruktur und der Straßenbahn, die bis hierher verlängert wurde), das Land sowieso. Selbst sperrige Behörden wie die Bauprüfabteilung hatten auf einmal mutig zu sein, mit den waghalsigen Stahl- und Glaskonstruktionen etwas zu prüfen, was zu prüfen sie nicht imstande waren: so anders, so kompliziert, so unberechenbar.