BUDAPEST. - Vor vier Jahren bot die Europäische Union Ostmitteleuropa einen Stabilisierungsplan an. Den Regierungen in dieser Region wurde wirtschaftliche Hilfe und eine beschleunigte euro-atlantische Integration versprochen. Vorausgesetzt, sie hielten die demokratischen Spielregeln ein und achteten die Rechte ihrer Minderheiten. Von diesem Vorschlag fühlte sich besonders Ungarn angesprochen, denn drei Millionen ungarischer Menschen leben als Minderheiten außerhalb seiner Grenzen. Inzwischen hat Budapest jedoch erkannt, daß westliche Angebote Pferdefüße haben können.

Die ungarische Führung hatte die EU-Initiative begrüßt, weil sie darin eine Möglichkeit für die überfällige Verbesserung der Beziehungen zu ihren Nachbarländern sah. Voller Elan nahm sie die festgefahrenen Gespräche mit Rumänien und der Slowakei wieder auf. Schon bald stellte sich jedoch heraus, daß die Nachbarstaaten allein an der Zementierung des Status quo interessiert waren. Sie waren und sind nur zu einer möglichst engen, rechtlich nicht bindenden Formulierung der Minderheitenrechte bereit.

In dieser ernüchternden Situation erkannte die ungarische Regierung, daß westliche Politiker offenbar bereits mit der Unterzeichnung des Stabilisierungspaktes zufrieden sind; jedenfalls haben sie seither kaum etwas zu seiner Verwirklichung unternommen. Statt dessen verharren die euro-atlantischen Institutionen auf einem für sie bequemen Standpunkt: Eine Erweiterung in Richtung Ostmitteleuropa gibt es erst, wenn dort die Grenzfragen gelöst, die Nationalitätenfragen geregelt und die nachbarschaftlichen Verhältnisse verbessert worden sind.

Diese Vorbedingungen haben Ungarn in Bedrängnis gebracht. Schließlich hängt es nicht von Budapest allein ab, den Forderungskatalog zu erfüllen. Dazu sind in gleichem Maße eine Demokratisierung der Nachbarländer - die ungarischen Minderheiten sind ja dort ansässig - sowie der gute Wille Rumäniens und der Slowakei erforderlich.

Somit besteht die Gefahr, daß sich die Eingliederung Ungarns in den Westen ohne eigenes Verschulden verzögert und letztlich vom Entgegenkommen der Nachbarn abhängt. Deshalb ist es besonders wichtig, daß die westliche Seite wenigstens die ungarische Bereitschaft zur Schaffung gutnachbarlicher Beziehungen anerkennt.

Seit Beginn der Balkantragödie hat der Westen zwar die Gefahren des extremen Nationalismus für Europa erkannt, jetzt müßte er aus diesen Lehren aber auch Konsequenzen ziehen. Das hieße, Druck auf die Nachbarn auszuüben, die Ungarn die Einbindung in den westlichen Ordnungsrahmen so erschweren.

Lajos Keresztes ist Professor