ULM. - Daß er diesen Kampf verlieren würde, wußte Markus Commercon.

Aber er hoffte, das Ende wenigstens so weit wie möglich hinausschieben zu können. "Ich will dieses Aids nicht akzeptieren, bis zur letzten Stunde nicht!" platzte es manchmal aus ihm heraus.

Als vor drei Jahren an dieser Stelle zum erstenmal über ihn berichtet wurde, befand er sich bereits im "immunologischen Endstadium" und im Kampf mit den Behörden. Die Ärzte gaben ihm noch eineinhalb Jahre.

Da bei ihm jedoch jegliche körperlichen Symptome fehlten, erhielt er weder Krankengeld noch Rente. Als ehemals selbständiger Bäcker hatte er auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld.

Markus Commercon lebte von den Honoraren, die er sich mit Vorträgen über Aids verdiente. Eine Festanstellung bei der Aidshilfe in Ulm, seinem Wohnort, gewährte ihm die damalige baden-württembergische Sozialministerin Helga Solinger (SPD) erst, nachdem die Krankheit ausgebrochen war und er an einer Lungenentzündung beinahe gestorben wäre. Als zu achtzig Prozent Schwerbehinderter wurde ihm die Stelle nun als "Wiedereingliederungshilfe" finanziert.

Über 800 Vorträge hielt Commercon; seine zwei Bücher "Aids - Mein Weg ins Leben" und "Mut zum Träumen, Kraft zum Kämpfen - Leben mit Aids" wurden Bestseller.

Kaum eine Talk-Show ließ der "erste bekennende schwule Aids-Kranke" aus, wie er zuweilen nicht ohne Häme tituliert wurde. Er selbst erklärte dazu, wenn er nur einen einzigen seiner Zuhörer vor Aids bewahren könne, "dann hat sich schon alles gelohnt".