Grübelnd hockt Rainer Langhans auf der Matratze, die er seit zwanzig Jahren bewohnt. Nur ein Fernseh- und Videogerät und eine Matte für Besucher auf dem Linoleumboden stören die Leere der kleinen Einzimmerwohnung in München-Schwabing. Kein Bild, keine Pflanze.

Irgendwie paßt in diese Kulisse selbst Langhans' Gips am Bein - und hat seinen Sinn auf dem "geistigen Weg", den Langhans geht: "Endlich komme ich mal wieder ausgiebig zum Nachdenken." Gerade beschäftigt ihn ein Thema ganz besonders: der Tod.

Der Tod lauert in den Kanülen der Intensivstationen und in den gekachelten Kühlhäusern. Wenn er auftaucht, hinterläßt er nichts als vor Entsetzen gelähmte Gesichter. Diese Schockerlebnisse haben inzwischen auch eine Generation erfaßt, die von sich annahm, unsterblich zu sein - die 68er. "Schrecklich - es sterben immer mehr weg", entfährt es Ingrid Aouane von den Grünen in Bonn.

Rainer Langhans trug in den vergangenen Jahren viele Freunde aus der Apo-Zeit zu Grabe. Die Beerdigungen von Wolfgang Neuss 1989, von Petra Kelly drei Jahre später waren Schlüsselerlebnisse. Kellys Tod sei für ihn ein Schock gewesen. Zu sehen, "wie erbärmlich jemand stirbt, wie hilflos die Leute sind, die nur vom Leben reden".

Mit Christa Ritter, einer seiner fünf Lebensgefährtinnen, kam er auf die Idee, einen Film zu drehen - über die 68er und den Tod. Denn auch Christa Ritter hatte bei Beerdigungen Gleichaltriger beobachtet, "daß viele einfach nicht wissen, wie sie mit dem Tod umgehen sollen".

Eine Redakteurin des Süddeutschen Rundfunks, selbst 68erin, beauftragte das Team Langhans-Ritter, das 1994 einen Adolf-Grimme-Preis für den ARD-Film "Schneeweißrosenrot" bekommen hatte, einen Beitrag für die Sendereihe "Im roten Bereich" zu verfassen. Ende des Jahres soll das Projekt beendet sein.

Eine Art Selbstsuche mit der Kamera. "Kann sein, daß der Rainer während der Dreharbeiten einen Nervenzusammenbruch bekommt, dann drehe ich ihn mit", sagt Christa Ritter. Für sie war die Studentenbewegung nur vordergründig lebensbejahend. "Wir haben es damals nicht gewußt, aber es ging auch um das Sterben." Schließlich sei man bei LSD-Trips dem Tod nahegekommen. Doch die Studenten, die neue Lebensformen erfinden wollten, hätten den Tod damals verdrängt.