Ein "böses Foul" am Zuschauer. ZDF-Intendant Dieter Stolte hat es zornig notiert.

Versündigt hatte sich ein Konkurrent: Der Privatsender Sat.1 hatte am letzten Sonnabend im März gegen die hundertste "Wetten, daß ...?"-Sendung des ZDF die Fußballbundesliga ins Rennen geschickt. Mit dem Ziel, der Jubilarin einen Quotendämpfer zu versetzen.

Das programmplanerische Kalkül mit dem aggressiven Gegenangebot - Spitzensport versus Show-Unterhaltung - ging auf. Durchschnittlich 10 Millionen sahen Fußball bei Sat.1, "nur" 13,5 Millionen "Wetten, daß ...?"; nach Spielende waren es sogleich 16 Millionen.

Weil er das kommen sah, hatte sich ZDF-Intendant Stolte schon vorher geärgert. Sat.1 beschwichtigte zwar: Daß die Bundesliga ausgerechnet an diesem Samstag ihr Spitzenspiel erlebte, sei ein Zufall des Spielplans gewesen. Tatsächlich aber war es nichts als die volle Absicht, gegen "Wetten, daß ...?" anzutreten.

Und Volker Szezinski, in Berlin Leiter der Programmplanung von Sat.1, gab Stolte ziemlich unverblümt recht: "Sicherlich. Wir planen nicht unbewußt. Da hat er vollkommen recht. Der Spielplan gab das her. Und wenn man keine Lust am Wettbewerb hat, dann muß man in eine öffentliche Institution gehen und Briefmarken verkaufen."

Solche Fälle aggressiven Wettbewerbs sind im deutschen Fernsehen nicht selten. Die öffentlich-rechtlichen Sender können kaum dagegenhalten, ja sie müssen aufpassen, daß ihre besten Stücke nicht in der Konkurrenz zu Filmen, Sport und Unterhaltung untergehen.

"Es hat überhaupt keinen Sinn", sagte Hans Janke, stellvertretender ZDF-Programmdirektor, schon vor einem Jahr, "eine trotzige, ostentative Konterplanung zu machen." Selbstkritisch räumte Janke noch gleich ein, das ZDF sei organisatorisch "nicht kräftig genug ... Ich bin überzeugt, daß unser Programm quantitativ erfolgreicher sein könnte bei optimaler Programmierung."