Ostersonntag, 9.20 Uhr, in der Kirche Trinita dei Monti, Rom.

Der Gottesdienst ist in vollem Gange. Ich setze mich auf einen Eckplatz in der vierten Reihe. Um mich herum ein Dutzend Nonnen zwischen fünfzig und achtzig. Alle in Schwarz und alle klein bis winzig. Drei von ihnen von schrecklichen Krankheiten ganz verbogen.

Ihre Hände können kaum die Breviere halten. In den Reihen hinter uns noch fünfzig bis siebzig andere Besucher des Gottesdienstes.

Einheimische, aber auch Touristen, die hier die Messe erleben wollen oder vielleicht beim Bummel durchs noch ruhige morgendliche Rom zufällig in einer der berühmtesten, aber auch uninteressantesten Kirchen der Stadt hängengeblieben sind. Einige Paare, aber die Frauen sind doch eindeutig in der Mehrzahl. Die Trinita dei Monti ist nur zu etwas mehr als einem Drittel gefüllt. Außer den Nonnen kann kaum jemand mitsingen. Der Priester wird siebzig Jahre alt sein. Ein kleiner, dicker Mann, mit großem Kopf und Glatze, ein Römerschädel. Sein gelber Umhang leuchtet wie frisch aus der Reinigung.

Drei elegante Damen betreten die Kirche, kommen nach vorn. Sie unterhalten sich. Jetzt kann ich sie besser hören als die Gebete des Priesters: "Diese Kirche hat so gar nichts vom Süden. Sie wirkt so einfach. Sie sieht mehr aus wie die Kirchen bei uns in Turin. Findest du nicht auch?" Ihre Freundin blickt nach oben und zur Seite. Sie breitet ihre Arme aus, als wollte sie die halbe Welt umarmen, und seufzt deutlich hörbar: "Ja, aber sie ist doch sehr schön. Nicht wahr?" Jetzt sind die drei bis zur siebenten Reihe vorgekommen; sie gehen hinein, knien nieder, schlagen routiniert ihre Kreuze, setzen sich und unterhalten sich weiter. Sie stören sich nicht am Priester, und er und niemand sonst stört sich an ihnen. Nach ein paar Minuten wird wieder gesungen. Die Damen unterbrechen ihr Gespräch.

Der Priester hat einen silbernen Kelch aus dem Tabernakel geholt.

Aus einer Karaffe füllt er ihn mit rotem Wein. Er sagt etwas dazu.