Biblisch

Ein Papyrus-Fragment, das seit mehr als neunzig Jahren in der Bibliothek des Oxforder Magdalen College lagert, gibt den Experten neue Rätsel auf. Lange Zeit waren sie davon ausgegangen, daß die griechischen Schriftzeichen auf den Schnipseln aus dem 2. Jahrhundert nach Christus stammen. Nun glaubt der deutsche Papyrologe Carsten Peter Thiede nachweisen zu können, daß die Textpassagen aus dem 26. Kapitel des Matthäusevangeliums bereits siebzig Jahre nach dem Tod Christi niedergeschrieben wurden. Dann wäre das Evangelium nicht, wie bisher vermutet, ein nachträglich verfaßter Bericht, sondern das Zeugnis eines möglichen Zeitgenossen des Zimmermanns aus Nazareth. Thiede verweist zur Begründung seiner umstrittenen These auf den Stil des Schreibens wie auf das Format der Fragmente. An drei Stellen des Textes wird der Name Jesu durch das Kürzel KS (für griechisch Kyrios, Herr) ersetzt. Thiede wertet das als Hinweis, daß der Glaube an die göttliche Natur Jesu keine Entwicklung der späteren Christenheit gewesen sei, sondern bereits bei den frühen Christen des 1. Jahrhunderts verbreitet war.

Bilateral

Im US-Bundestaat Florida bemühen sich die Behörden derzeit um eine Raketeninvasion besonderer Art. Vom amerikanischen Weltraumbahnhof Cape Canaveral sollen demnächst russische Proton-Raketen ins All starten. Die amerikanische Firma Lockheed Martin, die die Proton-Starts für westliche Kunden vermarktet, möchte damit die Kosten für Satellitentransporte senken. Derzeit heben die Protons noch in Baikonur (Kasachstan) ab. Bevor die bis vor wenigen Jahren noch undenkbare Kooperation zwischen Amerikanern und Russen allerdings Wirklichkeit wird, muß Präsident Clinton sie erst noch genehmigen. Vor allem das Verteidigungsministerium äußert noch Bedenken wegen Versicherungsfragen und der Rüstungsbeschränkung.

Billig

Daß moderne Forschung nicht immer viel Geld kosten muß, führt der ukrainische Biophysiker Oleg Krischtal seinen westlichen Kollegen vor. Diese müssen für eine Minimalausstattung zur elektrophysiologischen Untersuchung von Nervenzellen bis zu 50 000 Dollar investieren. Oleg Krischtal setzt dagegen auf gezielte Wiederverwertung und eigenes Engagement. Seine piezoelektrischen Elemente, die hauchdünne Elektroden vorsichtig auf die Oberfläche von Nervenzellen führen, gehörten einst zum Leitsystem sowjetischer Raketen. Viele andere Komponenten der empfindlichen Meßeinrichtungen wurden in Krischtals Labor von Hand gebaut. Der Forscher senkte so die Kosten für die Laboreinrichtung gegenüber dem westlichen Niveau um zwei Drittel.