In einer Blitzaktion ist die Macht im deutschen und europäischen Fernsehgeschäft neu verteilt worden. Die Gütersloher Bertelsmann AG wird die Tochtergesellschaft Ufa Film und Fernsehen mit der Luxemburger CLT verschmelzen (siehe Schaubild). Heraus kommt ein - noch namenloser - Fernsehgigant mit einem Umsatz von über fünf Milliarden Mark. Nicht nur im werbefinanzierten Fernsehen, dem sogenannten free TV, wird CLT/Ufa künftig "eine entscheidende Rolle" spielen, wie Bertelsmann mit kühner Untertreibung mitteilte. Auch der gerade entstehende Markt für digitales Fernsehen kann nun gemeinsam aufgerollt werden - aus Konkurrenten werden Partner.

Für Bertelsmann, den Mediengiganten aus der ostwestfälischen Provinz, geht ein Traum in Erfüllung. Mit Bücherklubs, Zeitungen und Zeitschriften (Gruner + Jahr), Musikfirmen und Buchverlagen ist das Unternehmen zwar schon weltweit im Mediengeschäft die Nummer drei (geplanter Umsatz 1996: 22 Milliarden Mark), aber ein TV-Star ist Bertelsmann bis jetzt nicht. Im schnell wachsenden Fernsehgeschäft waren die Gütersloher stets nur Juniorpartner.

Die Fusion hat Michael Dornemann geschmiedet, der bei Bertelsmann für den Unterhaltungssektor zuständig ist. Er führt sein Geschäft von New York aus und entsprechend den dortigen Gepflogenheiten unkompliziert, aber hart. Für ihn selbst dürfte sich der Coup lohnen; der Fünfzigjährige gilt als Kronprinz des 1998 ausscheidenden Bertelsmann-Chefs Mark Wössner.

Den ersehnten Durchbruch in die oberen Ränge des Fernsehgeschäfts bringt Bertelsmann ausgerechnet die CLT, die Compagnie Luxembourgeoise de T&eacutel&eacutediffusion, mit der sich Wössner seit Jahren erbittert um die Vorherrschaft beim Privatsender RTL stritt. Dabei hatte Dornemann die Luxemburger vor gut einem Monat zunächst einmal tüchtig vor den Kopf gestoßen. Quasi in letzter Minute hatte er der CLT den multinationalen Medienmächtigen Rupert Murdoch als Partner abspenstig gemacht (ZEIT Nr. 9/1996). Murdoch hatte ursprünglich mit der CLT das digitale Fernsehen in Europa betreiben wollen, bei dem der Zuschauer seine Programme nach eigenen Wünschen abruft und dafür individuell bezahlt. Doch Dornemann zog Murdoch auf die Seite der Deutschen, um künftig mit den französischen Partnern Havas und Canal Plus das digitale Feld zu bestellen.

Die CLT stand plötzlich allein da. Ohne kapitalkräftigen Partner ist aber die lange und wohl verlustreiche Einführungsphase von Abonnementfernsehen (Pay TV) oder abrufbarem Fernsehen (Pay per view oder Video on demand), für die auch noch ein marktgängiger Decoder entwickelt und durchgesetzt werden muß, gar nicht durchzustehen. Das dürfte auch dem belgischen CLT-Großaktionär Albert FrŠre schnell klar gewesen sein - er bat Dornemann zum Gespräch. Nun sichert er nicht nur die Zukunft der CLT, seine Audiofirma kassiert von Bertelsmann auch noch 1,6 Milliarden Mark. Denn die Ufa ist mit einem Umsatz von 1,9 Milliarden Mark die bedeutend kleinere Morgengabe von Bertelsmann.

Dornemann, der schon Mitte der achtziger Jahre maßgeblich an den spektakulären Einkäufen von Bertelsmann auf dem amerikanischen Markt (RCA und Double-day) beteiligt war, hat mit dieser "Blitzheirat" (Frankfurter Rundschau) einen weiteren Coup gelandet. So konnte endlich der schädliche Streit um RTL beigelegt werden; immerhin hatte der Kölner Sender wegen der Querelen seiner Gesellschafter bereits das Nachsehen im Kampf mit dem Münchner Mediengewaltigen Leo Kirch um ein wichtiges Hollywood-Filmpaket gehabt.