Der Typ", erklärte Frank Sinatra 1985 während eines Konzerts in der Carnegie Hall, "ist so lustig wie ein Tumor." Weitere Erläuterungen waren nicht notwendig: Sein Publikum wußte, worauf er anspielte.

Kurz zuvor hatte Sinatra von Präsident Reagan die ehrenvolle Medal of Freedom erhalten. Die Quittung bekam er in der Tagespresse.

Auf der Comicseite. Sechs Tage lang amüsierten sich die Leser des Comic-Strips "Doonesbury" über ein Portrait des Mannes, dessen Verbindungen zur Mafia allgemein bekannt waren und dessen Umgangsformen, so die satirische Darstellung des Strips, keineswegs denen eines vorbildlichen Amerikaners entsprachen. Unausgesprochen hing die Frage im Comicraum, ob der Falsche eine der höchsten Auszeichnungen der USA bekommen hatte. Frank Sinatra befindet sich in guter Gesellschaft.

Seit über zwanzig Jahren bringt Garry Trudeau mit "Doonesbury" alles, was Rang und Namen hat, auf die Palme: Reagan, verspottet in abenteuerlichen Entdeckungsfahrten durch verkalkte Gehirnwindungen.

Bush, die schillernde Leerstelle. Senator Warner, karikiert als "Mr. Elizabeth Taylor". So geraten Trudeaus Abnehmerzeitungen zuweilen in die Bredouille: Darf, kann ein Zeichner auf der Comicseite das genaue Gegenteil dessen sagen, was die Zeitung als politische Linie vertritt? "Doonesbury" ist ein Zeitungsstrip, das heißt: Täglich erscheinen vier Bildchen einer laufenden Seriengeschichte.

Sonntags etwas mehr und in Farbe. Im Mittelpunkt dieser gezeichneten Soap-opera steht jedoch weniger die US-Prominenz als das Leben und Treiben einer zirka fünfzehnköpfigen Figurenschar, die sich seit College-Tagen kennt: "Peanuts" im Erwachsenenalter. Doch schon die banaleren Umstände ihres Alltags bereiten den Redaktionen Kopfzerbrechen genug. Ein "Strichmännchen", das auf der Comicseite einer Kollegin erklärt, es sei "gay" (und damit nicht "fröhlich" meint), ist für bestimmte Zeitungen bis heute Grund genug, die Folgen einer ganzen Woche ausfallen zu lassen. Was die liberaleren Kollegen wiederum mit begeisterter Schadenfreude aufnehmen und kommentieren. Dabei ist "Doonesbury" bei weitem nicht der meistverbreitete Comic-Strip Amerikas. Sein Abdruck in gut 800 Zeitungen steht in keinem Verhältnis zu einer Superserie wie "Blondie", die weltweit in etwa 2000 Blättern erscheint.

Eine Vielzahl von Darstellungen aus dem prototypischen amerikanischen Familienleben will bezeugen: Die Comicseiten oder funny pages werden bäuchlings gelesen. Auf dem Wohnzimmerteppich. Vor dem offenen Kaminfeuer und von Kindern. Diese Bilder aber lügen, zumindest, was heutige Tagesstrips anbelangt. Die nämlich werden morgens beim Frühstück, in der U-Bahn oder im Stau auf dem Weg zur Arbeit konsumiert. Von Erwachsenen. Die allerdings vielleicht früher, als Kinder, bäuchlings die Comicabenteuer ihrer Lieblingshelden in der Sonntagsbeilage verfolgten. Comic-Strip-Leser sind Zeitungsleser, als solche verfügen sie heute über einen überdurchschnittlichen Bildungsstand. Zweifellos ist dies ein Grund für die hohe (und PR-wirksame) Aufmerksamkeit von Politikern und Prominenten für Vorgänge auf der Comicseite.