Selbstverständlich haben die Topmanager und Unternehmerlobbyisten recht: Für das zu schwache Wirtschaftswachstum und die Massenarbeitslosigkeit tragen die Politiker ein gerüttelt Maß an Mitverantwortung, denn sie haben die Steuern und Abgaben auf Rekordhöhen getrieben und immer neue Regulierungen erfunden; auch die Gewerkschaften sind nicht ohne Schuld, denn sie haben bei den Arbeitgebern die Tariferhöhungen und Nebenleistungen erstritten und somit die Arbeit verteuert.

Dem Deutschen Industrie- und Handelstag ist nicht zu widersprechen, wenn er fordert, daß die überzogene Steuerbelastung reduziert, die Ausgabendynamik der sozialen Sicherungssysteme gebremst und die administrativen und gesetzlichen Hürden für diejenigen abgetragen werden müssen, "die etwas unternehmen wollen".

Doch so berechtigt diese Klagen und Forderungen sind - sie bleiben unvollständig. Denn in dem Schwarzee-Peter-Spiel wird bei den Schuldzuweisungen aus dem Unternehmerlager ein Bereich völlig ausgeblendet: das Management. Unterlassungen, Schlampereien, strategische Fehlentscheidungen, mangelnder Mut und Phantasie in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft haben in den vergangenen Jahren immer wieder dazu geführt, daß Möglichkeiten am Markt ungenutzt verstrichen, notwendige Rationalisierungen verzögert und Zukunftschancen verspielt wurden. Arbeitnehmer bezahlten dafür mit dem Verlust ihrer Arbeitsplätze, Anteilseigner büßten Kapital ein.

Selbst nobelste Adressen in der Unternehmenswelt mußten Pleiten, Pech und Pannen - und zwar selbstverschuldet - erleben. Es lag doch nicht allein an den volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen, daß Daimler-Benz für das vergangene Jahr einen Verlust von fast sechs Milliarden Mark einfuhr, sondern auch an der gescheiterten Strategie des alten Konzernvorstands unter Edzard Reuter. Und kann Reuters Nachfolger Jürgen Schrempp seine Mitwirkung, einschließlich des von ihm sogar selbst betriebenen verlustreichen Fokker-Abenteuers, vergessen machen, wenn er jetzt für die Zukunft schöne Gewinne verspricht? Die Metallgesellschaft geriet doch nicht wegen zu hoher Lohnkosten und Steuern oder wegen des härter gewordenen globalen Wettbewerbs an den Rand des Ruins, sondern wegen der riskanten Termingeschäfte des damaligen Chefs Heinz Schimmelbusch.

Auch im jüngsten Fall, beim Bremer Vulkan, kann sich der Exmanager Friedrich Hennemann kaum auf Fremdverschulden berufen. Und: Daß die Banken bei allen spektakulären Zusammenbrüchen meist mit von der Partie sind, stärkt nicht gerade das Vertrauen in die Führungsgremien des Geldgewerbes.

Die Hinweise auf die schwierigen Bedingungen, die angeblich ein rentables Produzieren am Standort Deutschland unmöglich machen, wären überzeugender, gäbe es nicht in allen Feldern auch erfolgreiche Unternehmen, die genau diese Entschuldigung widerlegen. Selbst in solchen Problembranchen wie dem Schiffbau oder der Textilindustrie gibt es positive Ausreißer, die trotz aller Standortprobleme gut beschäftigt sind. Sagt es nicht auch etwas über die Qualitäten der beschwerdeführenden Manager, wenn der Bonner Unternehmensberater Hermann Simon allein fast 500 "heimliche Gewinner" in Deutschland ausgemacht hat, die als mittelständische Betriebe in ihrem jeweiligen Feld sogar Weltmarktführer sind?

Wenig überzeugend wirkt auch, mit welcher Vehemenz sich die deutsche Unternehmenselite den neuen Managementmoden wie Re-engineering, Lean Production oder Lean Management verschrieben hat - als würde nicht von alters her die Optimierung von Arbeitsabläufen, Kostensenkungen und Rationalisierungen zu den selbstverständlichen Pflichten jeder Unternehmensleitung gehören. Offenbar haben viele Manager diese Aufgaben in der Vergangenheit vernachlässigt.