Michel Pastoureau: Des Teufels Tuch. Eine Kulturgeschichte des Streifens und der gestreiften Stoffe. Campus Verlag, 144 S., 120 Abb., 68 Mark.

Ein Streifen kommt selten allein. Deshalb gleich eine Warnung vorweg. Wer in harmloser Absicht dieses Buch zur Hand nimmt, fühlt sich unversehens verfolgt. Sieht auf einmal die Welt ringsum in längliche Bänder zerlegt, wo er geht und steht. Hier breit & plump, dort spaghettischmal. Das Hemd des Kollegen. Den Balkencode auf der Kaffeepackung. Das Fußballertrikot, den Börsenanzug, die Zahnpasta und den Luftpostbrief. Notenblätter. Kinokarten. Ackerfurchen.

Ja, und nicht zuletzt jenes Gedankengeländer, das stets Halt im Ungewissen bietet, die Zeilen der ZEIT.

Von Streifen umstellt. Wohin das führen kann? Alfred Hitchcock hat einen Film darüber gedreht: "Ich kämpfe um dich". Der Held: ein Mann, der sich verfolgt fühlt, ein Streifenphobiker. Als Kind erlebte er, wie sich sein Bruder auf einem Zaun aufspießte. Seitdem fühlt er sich schuldig. Im Gesamtwerk Hitchcocks eher ein Beitrag mittlerer Güteklasse. Genial hingegen, was der Regisseur optisch aus dem Thema herausholte: das Spiel von Licht und Schatten, durch einen Vorhang hindurch. Die immer wieder ins Bild gerückten Zäune, Schranken, Sperren, bis hin zu den Spuren der Skier im Schnee und zu den Eisenbahnschwellen, durch das Fenster des fahrenden Zuges gesehen. Jede Menge Streifen-Symbolik.

Die aber so eindeutig gar nicht ist, wie uns Michel Pastoureau belehrt. Der Professor für die Geschichte der europäischen Symbolik versteht es, die Ikonographie des Streifens einzufangen in ihren soziologischen, kunsthistorischen und ästhetischen Verästelungen.

Fest steht: Einst dienten Streifen zur Diskriminierung des Abartigen und Ausgestoßenen. In der mittelalterlichen Kleiderordnung nämlich wiesen sie jene aus, die angeblich mit dem Teufel im Bunde standen.

Die Tracht der Taugenichtse, Bastarde, Häretiker, Narren und Gaukler, Prostituierten und Henker.