All denen, die das Ableben von Tempo mit Häme und Genugtuung begrüßen, sei gesagt: Es gab eine Zeit, da war dieses Blatt eine Offenbarung, ein Signal, daß da draußen, irgendwo im fernen Hamburg, Menschen sitzen, die dich verstehen.

Die sich links gaben, aber auch Spaß wollten, die die gleichen Platten im Schrank hatten und die gleichen Bücher. Die all das liberale Wischiwaschi und Verständnisgetue der großen Blätter beiseite sprengten und mit harten, klaren Worten die Welt eine Ausgabe lang verständlich machten. Hier wir, dort die Vertreter der "Arschlochwelt", wie das der Kolumnist Maxim Biller einst beschrieb.

Und wir, die treuen Leser, wußten, wir sind dabei, wir sind auf der richtigen Seite. Überhaupt Maxim Biller. Mehr als einmal hätten wir ihn knutschen können, für seine "Hundert Zeilen Hass", aus denen wir unseren Freunden am Telephon vorlasen. An der Uni war es mit Tempo wie mit der Bild-Zeitung: Alle haben sie gelesen, wenige wollten es zugeben.

Natürlich machte uns der Metropolenwahn in den Artikeln wild, natürlich verfluchten wir die Redakteure, die uns in penetranten Trendberichten zu stumpfen Konsumidioten heranziehen wollten.

Aber wir verziehen es ihnen immer wieder, denn mit Freunden ist man nachsichtig.

Zu Beginn der Neunziger ging es dann bergab. Orientierungslos schlingerte Tempo über den Markt wie ein leckgeschlagener Ausflugsdampfer.

Und das lag nicht nur am Weggang des Gründers Markus Peichl. Die Themen wurden beliebiger, viele vertraute Namen verschwanden, die Kolumnen von Biller oder auch Peter Glaser konnten uns immer seltener mit dem Rest versöhnen - oder wurden wir einfach älter?