Gewiß, so etwas kennt man, Traum (oder Alptraum) unserer Kindertage: "Wenn ein Arbeiter acht Stunden am Tag arbeitet, erledigt er seine Aufgabe in fünfzehn Tagen. Will er sie aber schon in zehn Tagen beenden, wie viele Stunden muß er dann am Tag arbeiten?" Also, Tage multipliziert mit Stunden, ergibt ...

Doch mit dieser Aufgabe hat es eine besondere Bewandnis. Sie wurde im Jahre 1925 im nordfranzösischen Departement Somme den Grundschülern zur Abschlußprüfung gestellt, dort in den Archiven wiederentdeckt - und nun, siebzig Jahre später, der Enkelgeneration erneut vorgelegt.

Und schon mußten 6000 kleine Franzosen dictée, calcul und Aufsatz ihrer Ahnen erledigen und erleiden. Ein Großversuch zwischen den Generationen also, veranstaltet in politisch-pädagogischer Absicht vom französischen Erziehungsministerium zu einer Zeit, da auch in unserem Nachbarland laut über sinkendes Niveau geklagt wird.

Der Veranstalter dieses Wettbewerbs, dessen wissenschaftliche Auswertung jetzt veröffentlicht wurde, hatte ihn in 25 Disziplinen oder Kriterien unterteilt: In fünfzehn davon unterschieden sich die Prüflinge von einst und heute kaum. Bei zwei Kriterien, darunter dem Aufsatz, schlugen die Nachgeborenen die Eleven von einst.

Doch in acht anderen blieben sie hinter den Schreib- und Rechenkünsten der Großeltern zurück, etwa bei der Multiplikation oder der Rechtschreibung.

Gleich ging ein Raunen durch Frankreich: "Schlechte Noten für die moderne Schule", jammerte der linke Nouvel Observateur, "bittere Lektion für die Prüflinge von 1995", klagte der konservative Figaro.

Vorbei die goldenen Zeiten der Rechtschreibung, passé, perdu.