NÜRNBERG. - So wie an diesem Abend im "Tucherbräu" hatte die CSU schon lange nicht mehr gejubelt. Ihr Kandidat Ludwig Scholz, bislang eher durch eine gewisse Bonhomie, verbunden mit kommunalpolitischer Resignation, aufgefallen, hatte soeben den Chefsessel in Bayerns zweitgrößter Stadt erobert. Damit war die Sensation perfekt: Nicht nur, daß es der CSU im ersten Wahlgang geradezu mühelos gelungen war, das rotgrüne Bündnis im Rathaus zu kippen; zum ersten Mal seit Kriegsende stellt sie nun auch den Oberbürgermeister, und das in einer bis dato uneinnehmbaren SPD-Bastion. Völlig überraschend, nicht zuletzt für die Meinungsforscher, war der amtierende Chef, Peter Schönlein von der SPD, seinem Herausforderer glatt unterlegen.

Ob die Stadt damit freilich vor einer "nie dagewesenen Änderung ihres Stadtlebens" steht, wie ein Leserbriefschreiber in den Nürnberger Nachrichten vermutete, steht dahin. Zu eng sind die Spielräume, die die CSU in den nächsten sechs Jahren vorfinden wird. Zu drückend sind aber vor allem die Lasten, die sie im Rathaus übernommen hat.

Da ist zunächst ein Haushaltsloch von 250 Millionen Mark, "der Offenbarungseid von Rot-Grün", wie der Neue es nannte. Damit hatte Ludwig Scholz, ehemaliger Regierungsdirektor, der seine Statements gerne mit der Floskel "schlicht und einfach" zu beginnen pflegt, freilich erfolgreich verdrängt, daß seine CSU-Fraktion dem einen oder anderen kostenaufwendigen Projekt in der Vergangenheit durchaus zugestimmt hatte. Zum anderen trat die CSU beim Versuch, das Defizit mit einem einzigen genialen Wurf auszugleichen, gleich kräftig ins erste Fettnäpfchen. Wie wäre es denn, so sinnierte der bayerische Innenminister Günter Beckstein, der die Nürnberger Wahl offenbar hauptsächlich als Zustimmung zu seiner Person empfunden hatte, wie wäre es, wenn man einen Teil der 19 000 Wohnungen der städtischen Wohnbaugesellschaft WBG einfach verkaufen würde? Damit wäre das Haushaltsloch doch im Handumdrehen gestopft?

Einziger Haken: Es will sich für die teils sanierungsbedürftigen Wohnungen weit und breit kein Käufer finden; schon gar nicht die von Beckstein angesprochenen Mieter, denen ziemlich schnell eingefallen war, daß es ihnen für einen Kauf an dem nötigen Kapital mangelt.

Doch dem ersten Flop folgte schnell ein zweiter, und wieder kam der Rat aus dem bayerischen Innenministerium. Beckstein schlug seinem Parteifreund Scholz vor, er solle den beiden designierten Referenten Uli Maly (Finanzen) und Georg Leipold (Kultur), die die rotgrüne Allianz noch mit letzter Kraft durchgepaukt hatte, einfach keine Urkunden aushändigen und sie statt dessen mit sanftem Druck zum Verzicht auf ihr Amt bewegen. Auch dies - ein Schuß in den Ofen. Er freue sich schon auf die Zusammenarbeit, ließ der künftige Kulturreferent Georg Leipold per Fax aus den USA wissen. Auch von Uli Maly ist nicht bekannt, daß er auf seinen Job als Zahlmeister der Kommune verzichten möchte.

Vom neuen OB Ludwig Scholz war bisher zu hören, was er schon während des Wahlkampfs verkündet hat: Aufhebung der Altstadtsperre für Autos (das Thema, mit dem die CSU die Wahl wohl gewonnen hat), Schaffung von Arbeitsplätzen durch den neu entstehenden Gewerbepark Knoblauchsland (der bislang, kurios genug, ausgerechnet von der Fürther CSU verhindert wurde), Auflösung des Umweltreferats, Ausbau des Frankenschnellwegs und - Schließung des Komm, eines von der CSU besonders ungeliebten Jugendzentrums. Insgesamt also versuchte die CSU den gestreckten Salto zurück in die siebziger Jahre.

Die autogerechte City feiert darin ebenso fröhliche Urständ wie die Geringschätzung des städtischen Umweltschutzes.