Berlin

Es liegt eine seltsame Symbolik über diesem sonntäglichen "Fusionsbrunch" auf dem Gelände des ehemaligen olympischen Dorfes zwischen Nauen und Berlin. Das Hauptgebäude wird wie damals 1936 Hindenburg-Haus genannt, aber im großen Saal, in dem nun über die Vereinigung der Länder Berlin und Brandenburg debattiert wird, blickt Lenin von der Wand. Denn fast ein halbes Jahrhundert war hier die Rote Armee kaserniert - und gelegentlich hat es den Anschein, als hätten einige der Redner nicht so recht realisiert, daß die Zeiten sich seitdem geändert haben. Die Mauer ist immer noch in ihrem Kopf.

Da ist Axel Hahn, ein 36jähriger FDP-Politiker aus Berlin. Er polemisiert gegen Parteistrategen und Bürokraten, fabuliert von einer drohenden Zweidrittelmehrheit der Linksparteien und vertritt eine Gruppierung, die sich "Nein zur Fusion - Freiheit für Berlin" nennt. Die Länderfusion, meint er, "knebelt und fesselt beide Länder in ihrer eigenen Entwicklung". Nach einer Fusion würden sich die Bürokraten "in internen Grabenkämpfen und Intrigen verlieren.

Wenn wir halb soviel Bürokratie hätten, ginge es Deutschland besser." Ernstzunehmende Argumente gegen die Fusion hat er nicht, der Beifall für ihn ist mäßig.

Es sei ja gerade der Sinn der Fusion, Bürokratie abzubauen, indem aus zwei Landesregierungen eine würde, entgegnet der Chef der Brandenburger Staatskanzlei, Minister Jürgen Linde. Eberhard Diepgen habe doch mit seiner CDU in Berlin eine ebenso gesicherte Position wie Manfred Stolpe in Brandenburg. "Aber beide Parteien stellen ihre Machtpositionen hintan, weil sie unabhängig von politischen Konstellationen meinen, es ist wichtig, daß wir zusammenleben."

Und Claus Detjen, Herausgeber der Märkischen Oderzeitung, merkt an: "Ein ärgerliches Argument ist, wenn gesagt wird, wir haben vor fünf Jahren eine Fusion erlebt, jetzt langt's uns. Diese Vereinigung war ein Glücksfall der Geschichte, und sie ist bei allen Schwierigkeiten kein Argument gegen die Fusion, sondern ein Argument dafür."

Die Stimmung im Saal überrascht ein wenig. Auf dem weiträumigen Olympiagelände parken mehr Autos mit Brandenburger als mit Berliner Kennzeichen. Bei Umfragen heißt es, die Berliner seien knapp für die Fusion, die Brandenburger mit deutlicher Mehrheit dagegen.