Belfast

Eine Kleinanzeige in An Phoblacht, dem Sprachrohr der IRA: "Gedenkfeier zum 8. Todestag der Freiwilligen Brendan Burns und Brendan Moley.

Treffpunkt vor der Kabin in Creggan."

Creggan ist eine Straßenkreuzung mit ein paar Häusern in South Armagh, einer Hochburg der Rebellenarmee nahe der nordirisch-irischen Grenze. Es ist dunkel. Aus allen Richtungen tasten sich Scheinwerfer durch die Nacht und finden schließlich den Schotterplatz. Zuletzt kommt ein Bus mit Kindern der Cullyhanna Band. Sie nehmen mit Trommeln, Flöten und Ziehharmonikas hinter sieben Fahnenträgern Aufstellung: die sechs Fahnen der sechs "besetzten" nordirischen Grafschaften und vorneweg die grünweißorange Flagge der Republik, beleuchtet nur vom flackernden Schein etlicher Windlichter.

Einige hundert Männer und Frauen und Kinder sind es jetzt, die mit ernsten Gesichtern hinter der leise trommelnden und pfeifenden Musik die Straße nach Cullyhanna hinaufziehen. Oben auf der Anhöhe steht ein Denkmal aus behauenem Granit. Die Väter der "Zwei Brendans" lüften ein Tuch von einer in die Steine gesetzten Tafel: "In stolzer Erinnerung" an die Freischärler, die hier vor acht Jahren "im aktiven Dienst fielen". Kränze werden niedergelegt. Der Überbringer des offiziellen Gebindes der IRA salutiert kurz. Die Menge murmelt den Rosenkranz auf gälisch. Ein Redner feiert "unsere auf der ganzen Welt als beste Guerillaarmee der Welt bekannte" IRA. "Wir müssen", sagt er, "unseren Führern vertrauen, daß sie den Kampf erfolgreich weiterführen."

O Mamma, O Mamma, spende mir Trost, lautet der Refrain eines ans Herz rührenden IRA-Liedes, es geht nicht ohne schlimmes Tun / doch wenn der Freiheitskampf gewonnen ist / ich versprech' es dir, ich stell' die Waffe fort.

Aber so weit ist es noch nicht.