Bergara

Das Baskenland ist Bergland. "Wenn ein Baske aus dem Fenster schaut, sieht er nur andere Basken", sagt Maria Guijarro, die Sprecherin der Friedensgruppe Gesto por la Paz in Bilbao. Mitten in diesem Bergland liegt die kleine Stadt Bergara. Eine gewundene Landstraße führt entlang des Flüßchens Deba in den Ort.

Knapp 16 000 Menschen leben in Bergara. Sie sprechen baskisch miteinander, und die Wegweiser zeigen statt nach San Sebastián nach Donostia. Nur unter diesem Namen kennt man hier die große Hafenstadt. "Wenn du in die Kneipe gehst und jemanden einen Spanier nennst, beleidigst du ihn", erklärt Aitor Aranzabal. Er vertritt im Gemeinderat von Bergara den parlamentarischen Arm der ETA, die Liste Herri Batasuna. Zu siebt sitzt die Gruppe im siebzehnköpfigen Stadtrat, neben neun Abgeordneten gemäßigter baskischer Parteien und einem einzigen Sozialisten. Wer verstehen will, warum die Gewalt im Baskenland immer noch tobt, warum der Terror der ETA trotz Demokratie und Autonomie kein Ende nimmt, der muß in die baskischen Berge fahren. Dort, in Orten wie Bergara, schlägt das Herz des baskischen Nationalismus besonders laut.

"Zuerst muß man ja mal fragen: Wer sind denn überhaupt die Gewalttäter?", meint Jesus Mari Garitano, ein sympathischer Enddreißiger mit polterndem Baß. Auch er sitzt für Herri Batasuna im Gemeinderat.

"Die anderen sind bis an die Zähne bewaffnet. Eine der Möglichkeiten, darauf zu antworten, ist der bewaffnete Kampf." Die Sympathie der Leute vom movimiento abertzale, der "Patriotischen Bewegung", die sich um einen langen Tisch in einem Klassenzimmer versammelt haben, gilt den Etarras, den Leuten der ETA. "Wenn sie den Atutxa umbringen, öffne ich eine Flasche Champagner", sagt lächelnd Fernando Lasa, Leiter der Außenstelle der Madrider Fernuniversität in Bergara.

Juan Maria Atutxa ist der Innenminister des Baskenlandes und damit oberster Chef der baskischen Polizei, die der ETA mit einigem Erfolg zu Leibe rückt. Der Haß der Terroristen ist sein Lohn.

Wer mit der Waffe in der Hand vorgeblich für die freie Heimat kämpft, ist ein Held. "Vor jemandem, der eine Idee mit seinem Leben verteidigt, habe ich ziemlichen Respekt", sagt eine Frau aus der Runde. Sie meint Etarras wie den 25jährigen Jon Benzobas, der Anfang Februar den früheren Verfassungsgerichtspräsidenten Francisco Tomás y Valiente mit drei Schüssen tötete. "Welche Entbehrungen sie auf sich nehmen!" sagt die 84jährige Maria Josefa Ganuza mit einer Mischung aus Stolz und mütterlicher Besorgtheit in der Stimme. "Welche Entbehrungen!"