Hat College-Studentin Phyllis ihrem Professor wirklich das beste Stück abgebissen, beim Tête-a-tête im Hotel "Quickie"? Luigi Mackeroni, schwuler Sittenpolizist mit saturnischem Gemüt und Liebe zu Lack und Leder, hält das Mädchen für unschuldig. Eine Serie von Kastrationsfällen bestätigt seinen Verdacht: Auf Zimmer 308 hat sich ein bissiges Präservativ eingenistet. Unersättlich schnappt das kleine Biest den Genitalien der Gäste hinterher.

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Ralf Königs "Kondom des Grauens" , Mixtur aus hard-boiled Persiflage und schwuler Selbstironie, hinreißend komisches Comic-Kleinod, amüsierte als Puppenspiel zuletzt auch das Theaterpublikum. In Hamburg, München - und in Meiningen im gemütlichen thüringischen Hinterland.

Einer solchen Vorstellung könnte auch Oberstaatsanwalt Reinhard Hönninger, resident am lokalen Landgericht, beigewohnt haben. Ob die homosexuellen Marionetten dran schuld waren, egal: Irgendwann im letzten Jahr hat sich Hönninger entschieden, den moralischen Frieden im Lande kompromißlos gegen das "Kondom des Grauens" zu verteidigen - und gegen dessen Verlag, die kleine Edition Kunst der Comics aus dem benachbarten Sonneberg.

Bei einer Haussuchung ließ er kurzerhand das halbe Verlagssortiment konfiszieren, wegen "Pornographie" und "Gewaltverherrlichung". Bemerkenswert: Weder das "Kondom des Grauens", immerhin seit 1988 im Programm, noch irgendein anderer Titel von Kunst der Comics ist bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften indiziert. Und eben noch wurden Ralf Königs "Bullenklöten" vom Pornographievorwurf freigesprochen - dank Kunstvorbehalt.

Von derlei liberalem Laisser-faire zeigt man sich in Meiningen gänzlich unangekränkelt. Was Pornographie sei und was nicht, erklärt Gerichtssprecher Peter Möckl auf Nachfrage, könne man gut selber erkennen: "Das Urteil der Bundesprüfstelle spielt für uns keine Rolle."