In der Computerbranche vergeht die Zeit rasend schnell. Im Handumdrehen ist eine Ewigkeit vorbei, und Marco Börries darf sich mit seinen 27 Jahren schon als Dinosaurier bezeichnen. Er hat damit nicht einmal unrecht. Der Chef der Hamburger Softwarefirma Star Division ist so etwas wie der letzte Überlebende seiner Art: Seit elf Jahren stellt seine Firma Software her, die direkt gegen die Produkte von Microsoft antritt. Erst war es die Textverarbeitung Star Writer gegen Microsoft Word, nun ist es das Büropaket Star Office gegen Microsoft Office.

Dutzende von Konkurrenzprogrammen hat der Star Writer überlebt, darunter scheinbar unbezwingliche wie den Wordstar, und auch beim Star Office findet sich bislang von Ermüdung keine Spur.

Das Softwarepaket rettete sich mittels vollkommener Mimikry über die Zeit: Es sieht fast genau so aus wie der große Konkurrent, und die Entwickler von Star Division legen Microsofts Gestaltungsrichtlinien, den sogenannten Style Guide, oft noch päpstlicher aus als seine Urheber.

Office-Pakete sind Kombinationen aus Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentationsprogramm und anderen Zutaten, die zusammen alles erledigen können, was in einem Büro so anfällt. Microsoft hat hier mittlerweile einen Marktanteil von achtzig Prozent errungen. Ansonsten regt sich, von Star Division abgesehen, nicht mehr viel Leben; die Produkte der anderen Konkurrenten sind samt und sonders untergegangen. Wordperfect Office wurde von Novell an die Graphiksoftwarefirma Corel zum Ausschlachten verkauft. Und die Smart Suite von Lotus bekommt bei IBM das Gnadenbrot, während die Chefentwickler der Software sich längst anderswo neue Arbeit gesucht haben.

In diesen rauhen Zeiten setzt die Star Division auf das Internet. Dort ist, so hofft der Chef, dem großen Gegner Microsoft der Rang am ehesten streitig zu machen. Kommt die Rede auf das Internet, ist Börries nicht mehr zu halten. Dann springt er auf und malt Schaubilder über Schaubilder an die Tafel: eine Welt vernetzter Systeme, über der als Fixstern das Star Office erstrahlt. Ein halbes, vielleicht ein ganzes Jahr Vorsprung habe man, erklärt Börries, vielleicht also eine kleine Ewigkeit.

Die anderen Mitbewerber sind bereits allesamt zu Boden gegangen