Das Rindfleisch schmeckt nach Wahn, die Hühner legen bloß noch Nikotin-Eier, aber der Hunger ist scheint's gewaltig. Vom Fast food reden die einen und meinen die anderen, während sie selber ein "schönes Menu" aufzutischen versprechen. Es geht also wieder einmal um die tageszeitung, es geht um die Chefredaktion, die Auflage, die Anzeigen, die Vergangenheit und ein bißchen Zukunft.

In der vergangenen Woche kam heraus, daß die Tateinheit Norbert Thomma & Arno Luik zum Quartalsende gekündigt hat, am Wochenende entließ der Vorstand nach einer Anhörung von fünf Minuten auch den verbleibenden Chef Thomas Schmid fristlos. Weil solche Selbstentleibungsaktionen immer mit Pomp und Getöse gefeiert werden müssen, begeht die taz an diesem Donnerstag auch noch ihren 17. Geburtstag. Als Stargast auf dieser Vorfeier zur möglichen Beerdigung hat sich Sabine Christiansen angemeldet.

Eben wollte es ein wenig aufwärtsgehen: mehr Anzeigen, mehr Abonnenten, Auflage so gut wie nie (61 800 Exemplare im I. Quartal 1996), großes Lob von den Genossenschaftlern für die in den letzten Monaten aufgefrischte Zeitung. Andererseits wurde im vergangenen Jahr wieder ein Verlust von 2,5 Millionen Mark erwirtschaftet, die Zeitung eiert "auf den Felgen" und mit Sicherheit am Abgrund.

So war die taz vom ersten Tag an, chronisch unterkapitalisiert, chaotisch oder gar nicht organisiert, Hängematte für die einen, Selbstausbeutung für andere, aber relativ fröhlich dabei. Oft gelang das Essen, das Herr Thömmes unten in der Kantine anrichtete, besser als oben die Zeitung.

Herr Thömmes kocht nicht mehr. Er heißt jetzt Norbert Thomma und sitzt vorläufig noch in der Chefredaktion. Die taz ist auch keine Zeitung mehr, sondern ein "Produkt". Es wird auf Teufel komm raus "angedacht", auf das "Feedback" geachtet und die mögliche "Produktenttäuschung" des neugewonnenen Lesers nach Möglichkeit an der "Anzeigenfront" kompensiert.

Die Chefredakteure - Arno Luik auf der einen, Thomas Schmid auf der anderen Seite - verband in den vergangenen neun Monaten bestenfalls die Unfähigkeit zur Kommunikation, miteinander ebenso wie mit der Redaktion. Schmid holte Le Monde diplomatique als monatliche Beilage ins Blatt und versprach die intellektuelle Debatte zu führen. Luik kümmerte sich, zum ersten Mal in der Geschichte der Zeitung, um das Layout, sorgte dafür, daß die "Perlen, die da sind, auch glänzen". Aber geredet haben sie trotzdem nicht miteinander.