Er verabscheute den technischen Fortschritt so sehr, daß er ihn mit Briefbomben aufhalten wollte. Sein erstes Todespäckchen schickte er an das Technologie-Institut der Northwestern-Universität in Evanston/Illinois. Das war 1978. Ein Jahr später vermied er den Postweg und ließ seine Bombe einfach liegen - im selben Institut. Sie verletzte einen Studenten. Wieder ein Jahr später traf es den Chef einer Fluggesellschaft. Danach erreichten Briefbomben die computerwissenschaftlichen Abteilungen der Vanderbilt-Universität in Nashville und der Universität von Berkeley. Schließlich, nach fünfzehn Anschlägen, die zwei Menschen getötet und dreiundzwanzig verletzt hatten, verübte der Attentäter seinen bislang sechzehnten und letzten Anschlag. Es kostete Gilbert Murray, den Präsidenten der California Forestry Association, das Leben. Das war im April vergangenen Jahres.

U niversities an d a irline bom bings - aus diesen Stichwörtern formten die Computerkommissare des FBI das Akronym Unabom. Die Zeitungen machten daraus das dramatischere "Unabomber". Doch viel mehr als die sechs Buchstaben konnte sich das FBI über den Killer nicht zusammenreimen. Noch im vergangenen Herbst besaß die Bundespolizei lediglich das unscharfe Phantombild eines lockigen, jungen Schnurrbartträgers, dessen Augen sich hinter einer Sonnenbrille und dessen Kopf sich in einer Kapuze versteckten - und das siebzehn Jahre nach der ersten Bombe, nach der Überprüfung von 200 Verdächtigten, nach rund 20 000 Anrufen unter der eigens installierten, gebührenfrei anzuwählenden Fernsprechnummer 800-701-BOMB.

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Am Ende aber wurde dem Unabomber die moderne Technik doch noch zum Verhängnis. In einem alten Regierungsgebäude in San Franzisko hatten über Jahre hinweg Beamte des FBI, des Bureau of Alcohol, Tobacco and Firearms sowie der US-Post einen Superrechner mit Daten von Schulen, Leihbüchereien und Führerscheinämtern gefüttert - bis vor ein paar Wochen die Großfahndung technisch vollkommen gemacht wurde: In der Nähe einer Holzhütte am Rande der Scapegoat-Wildnis in den Bergen von Montana installierten die Agenten Mikrophone und Bewegungsmelder; Scharfschützen mit Infrarotsichtgeräten verkleideten sich als Holzfäller und bezogen Posten in den Baumwipfeln; Beobachtungssatelliten wurden eingesetzt, um eventuelle Bombenexplosionen in der Nähe der Hütte zu registrieren. Theodore J. Kaczynski wurde als mutmaßlicher Unabomber verhaftet.

Sollte es den Agenten gelingen, den 53jährigen ehemaligen Mathematikdozenten der Terrortaten zu überführen, dann wahrscheinlich wegen einer Technik, mit der man den sogenannten genetischen Fingerabdruck eines Täters nachweisen kann; die Ermittler hoffen, jene Erbinformationen im Speichel des Angeklagten zu finden, die sie auch auf den Briefmarken der Bombenpäckchen nachgewiesen haben.

Oder ist es doch nicht die avancierte Technik, die dem Technikfeind zum Verhängnis wurde? War es vielmehr der von technikgläubigen Ingenieuren überall auf der Welt gefürchtete, unzuverlässige Faktor Mensch? Auf die Spur von Theodore J. Kaczynski hatte das FBI nämlich dessen Bruder gebracht - nachdem der Attentäter selbst brieflich seine Absichten preisgegeben hatte - von Größenwahn und Eitelkeit getrieben.