Es war nur eine kleine Netzkarte. Tausende von ihnen werden wöchentlich in Computer eingebaut, damit die Benutzer über Firmen- oder Universitätsnetze am Internet teilnehmen können. In kleinen Werkstätten und großen Rechenzentren sitzen Experten, für die das bloß Routine ist. Ich bin Philosoph, verstehe nichts von Hexadezimalkodes und vertraue darauf, daß Geräte funktionieren. Einen Tag hat es mich gekostet, als interessierter Laie einen PC für das Netz einzurichten. An dieser Stelle kreuzen sich zwei Lebensstile, das technische Basteln und die Reflexion. Ohne solche Begegnungen bleiben Anschauungen platt und Begriffe blind.

Das Institut für Philosophie an der Universität Wien bietet Studierenden einen eigenen Computerraum. Die Internet-Anschlüsse stellt das Rechenzentrum zur Verfügung, als Maschinen nehmen wir, was übrigbleibt, einige stammen aus der Computersteinzeit. Um so größer die Begeisterung, einen bloß vier Jahre alten 486er PC aufzutreiben. Auf dem können Windows und Netscape laufen. Bloß wie kommt er ans Netz? Die Hilfsbereitschaft der Techniker ist schon lange überstrapaziert. Ihnen ist zu verdanken, daß der Betrieb mit den vorhandenen Geräten klappt. Sie kamen mit einem Zauberstab, murmelten einige Beschwörungsformeln - dann konnte man die erste elektronische Post verschicken. Das muß auch ohne fremde Hilfe gehen.

Zum Datenaustausch über ein Netz braucht der Computer ein Steckmodul, eine sogenannte Netzkarte, und Software, um mit ihr in Verbindung zu treten. Fremdartig wie die Bezeichnungen - NE12 und PCTCP ist die Funktionsweise dieser Dinge. Am einfachsten fällt es noch, die Karte physisch in den rechten Schlitz zu drücken, dann beginnt ein nervenaufreibendes Spiel. In rasanter Folge laufen Fehlermeldungen über den Bildschirm. Das Steckmodul und die Steuerung wollen sich nicht miteinander anfreunden. Stunden vergehen mit fruchtlosen Vermittlungsversuchen.

Aus der Erschöpfung reißt mich eine Kollegin, die mit frischer Energie darauf besteht, "daß der PC heute angeschlossen wird". Nochmals verfolgen wir die Kette der Fehlanzeigen und versuchen, die Ursachen Schritt für Schritt zu beseitigen. Es geht uns noch gar nicht ums Websurfen, nur um ein unansehnliches Signal. Das Programm "ping" ermittelt, ob der Computer überhaupt eine Adresse im Netz erreichen kann. "7 packets transmitted, 7 packets received, 0 % packet loss". Aufatmen, wir haben es geschafft.

Ja sicher, mit Windows 95 wären diese Schwierigkeiten gar nicht erst aufgetreten. Dieses System hätte die Lage selbständig analysiert und die entsprechenden Anpassungen vorgenommen. Erstens kommt das um vieles teurer, zweitens ist ungewiß, ob es tatsächlich funktioniert hätte, und drittens geht der Einwand an der Sache vorbei. Mit genügend Aufwand lassen sich die meisten technischen Abläufe so optimieren und versiegeln, daß ein Minimum an Kompetenz zu ihrer Bedienung reicht. In zahlreichen Fällen ist das die einzig praktikable Lösung. Die Abläufe verschwinden dadurch nicht. Dem direkten Zugriff entzogen, werden sie doppelt geheimnisvoll. Mit Netzkarten herumzufummeln ist Entmythologisierung.

Im Sinn der Arbeitsteilung liegt, daß sich jeder um seinen Kompetenzbereich kümmert. Ausnahmsweise eignet er sich Fachwissen aus anderen Gebieten an. Das ist hier nicht gemeint. Die Konfiguration der Treiber für die NE12 ist als informatisches Gesellenstück ungeeignet. Den meisten elektronischen Sachverhalten gegenüber bin ich ahnungslos wie zuvor. Das Experiment blamiert jedoch die Selbstherrlichkeit von Philosophen, die über neue Dimensionen und Epochen räsonnieren, ohne ihr Material zu kennen.