Der Quantensprung: die zweifelhafte Karriere eines FachausdrucksSeite 2/2
Die Chance für den Quantensprung, in seiner ursprünglichen Bedeutung Eingang in die Umgangssprache zu finden, ist gering. Echte Quantensprünge sind nun einmal nur in der Summe ein deutlich wahrnehmbares und damit interessantes Phänomen. Wer aber würde sich für die Quantensprünge der Arbeitslosigkeit interessieren, wenn sie - physikalisch korrekt - die Freisetzung (Emission) oder Einstellung (Absorption) einer einzelnen Arbeitskraft beschrieben?
Für Germanisten könnte sich hier ein interessantes Arbeitsgebiet eröffnen. "Die Ausbreitungsgeschichte des Quantensprungs in der deutschen Alltagssprache unter besonderer Berücksichtigung der Rückwirkungen auf die theoretische Physik" - das wäre doch ein Promotionsthema. Vielleicht könnte dabei auch die Wirkung des vorliegenden Artikels auf die zukünftige Benutzung des Begriffs analysiert werden. Möglicherweise käme man zu dem Ergebnis, daß er beim einen oder anderen Leser gewisse Denkprozesse auslöste. Was jedoch die Auswirkungen auf die Umgangssprache angeht, so dürfte es sich vermutlich nur um Quantensprünge handeln.
Mathias Senoner
- Datum 03.05.1996 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 1996
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