Macht und Moderne

Vom französischen Präsidenten Jacques Chirac geht die Kunde, daß er zwar ein wackerer Esser - mit einer Vorliebe für Kalbskopf - ist, hingegen die mondänen Pariser Nachtessen nicht sonderlich schätzt. Doch ausgerechnet die Diners oder Dejeuners en ville gelten als die wichtigsten Klatschbörsen der Kapitale. Droht also die Gefahr, daß der Elyséeherr von entscheidenden Informationen abgeschnitten ist? Soweit möchte es jedenfalls der Minister für Telekommunikation, François Fillon, nicht kommen lassen. Er empfiehlt deshalb dem Präsidenten, sich per Internet das notwendige Wissen zu verschaffen. Chirac ist grundsätzlich nicht abgeneigt, gibt indes zu bedenken, daß er bislang "bezüglich neuer Technologien" beim elektrischen Rasierer stehengeblieben sei. Damit tut er freilich gegenüber seinem Vorgänger einen großen Schritt nach vorn. François Mitterrand soll selbst die Benutzung des Telephons nicht ganz geheuer gewesen sein.

Glamour und Gewicht

Die bemerkenswerte Ähnlichkeit zwischen Catherine Deneuve, dem Filmstar, und Donald Trump, dem Sexsymbol und Großgrundbesitzer, ist in der vorigen Woche aufgedeckt worden. Ebenso wie ein unterschwelliger Sexismus in der von uns sehr geschätzten New York Times. Eine aufmerksame Abonnentin der New York Times fragte in einem Leserbrief, warum ein Artikel über "The Donald" keine Bemerkung über seine Figur enthielt, obgleich ein Photo auf derselben Seite zeigte, daß er offenbar zugenommen hat. Zur Begründung zitierte die Leserin ein Portrait von Deneuve am Tage zuvor, das feststellte: "Sie ist vielleicht nicht mehr so schlank, wie sie einmal war." Darauf schrieb "The Donald" einen Brief, in dem er betonte, daß es richtig gewesen wäre, nach seinem Gewicht zu fragen, wenn er - wie Deneuve - wirklich zugenommen hätte. Das aber sei nicht der Fall. Lediglich das unglückliche Photo habe ihn schwergewichtiger wirken lassen, als er in Realität sei. Ein männlicher Leser vermutete hingegen, die New York Times habe nicht auf Trumps Linie hingewiesen, weil der nie nackt in Filmen aufgetreten sei. Wir meinen: Abwarten.

Ausgezeichnet

Mit dem "Sozialoskar 1996" ist der ZEIT-Photograph Frank Schultze ausgezeichnet worden. Unter dem Titel "Glück im Unglück" portraitierte er von Minen verstümmelte Kinder aus Angola, die zur Behandlung nach Deutschland kommen. Mit weiteren Sozialoskars wurden Klaus Antes, WDR, und Michael Möller, Radio Bremen, Hannelore Dauer, SWF, und Roland Bäurle, SZ-Magazin, geehrt. Der Medienpreis wird von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege verliehen und ist mit 30 000 Mark dotiert.