Die Besucher waren begeistert und hielten den merkwürdigen Ausstellungsobjekten in Carl Hagenbecks Tierpark auch schon mal ein Zuckerstückchen hin. Und Hagenbeck selbst hielt seine Gorillas für hochwertiger als die "Negerboys", die sie begleiten mußten, damit die Tiere nicht am "Heimweh" zugrunde gingen. Gleichwohl waren die Menschen aus Afrika eine Sensation: bei Hagenbeck ebenso wie auf der ersten deutschen Kolonialausstellung, die vor genau hundert Jahren, am 1. Mai 1896, im Treptower Park in Berlin eröffnet wurde. Ein Sammelband, herausgegeben von Robert Debusmann und János Riesz, setzt sich mit dem nationalen und imperialen Selbstverständnis der Kolonialisten auseinander, das auf den großen Völkerschauen und Kolonialausstellungen zwischen 1850 und 1960 präsentiert wurde.

Die Auseinandersetzung mit fremden Kulturen fand jedoch nicht statt: Die Autoren zeigen, wie die Ausstellungen dazu beitrugen, verzerrte und diskriminierende Bilder von Afrika und seinen Menschen zu liefern "und in der kollektiven Vorstellung zu verankern, wo sie vermutlich heute noch bestehen". Robert Debusmann/János Riesz (Hg.): Kolonialausstellungen - Begegnungen mit Afrika? IKO - Verlag für Interkulturelle Kommunikation; Frankfurt am Main 1995; 203 S., z.T. auf englisch und französisch, 37 Abb., 35 DM.