RAF-Prozess Zwischen Reue, Trotz und TränenSeite 3/3

Libanesen, Kurden, Europäer, Japaner sind auch da. Der Leiter des Trainingslagers, mit einer Deutschen verheiratet, lädt sie zu sich nach Hause ein, ein Privileg. Der Name Monika Haas fällt im Hamburger Gerichtssaal nicht. Souhaila Andrawes hat sie schwer belastet: Spät, sehr spät, nämlich erst eine Woche nach der dreitägigen Vernehmung, nach Vorhaltungen und Zeugenbelehrung durch BKA und Bundesanwalt erinnert sie sich: Monika Haas habe auf Mallorca die Waffen geliefert, versteckt unter einem Baby im Kinderwagen.

Der Haas-Prozeß beginnt an diesem Donnerstag aufs neue in Frankfurt.

Wird Andrawes dort aussagen? In einem Brief schrieb sie, sie fürchte um ihr Leben und die Sicherheit ihrer Familie. Ihr Mann oben in Norwegen, dem frühere Verbindungen in Syrien zum Oberterroristen Abu Nidal nachgesagt werden, machte dunkle Andeutungen: Er könne Aufklärendes über "Lockerbie" erzählen, je nachdem, was seiner Frau widerfahre.

Am 1. Oktober 1977 wurde Souhaila Andrawes nach Bagdad "einberufen".

Dort traf sie zum ersten Mal die anderen drei Entführer: Nabil, Nadia und Zohair. Haddad, "der große Mann", besorgte dann die mentale Aufrüstung: Auf die arabischen Staaten ist kein Verlaß, wir müssen selber kämpfen. "Wir waren im Krieg, und der war grenzenlos", versucht Souhaila Andrawes dem Gericht klarzumachen, "wir mußten laut schreien, die Welt aufmerksam machen, wir mußten Geld beschaffen und palästinensische Gefährten aus dem Gefängnis befreien." Warum ein deutsches Flugzeug? "Das war egal."

"Versuche, deine christliche Fürsorge nicht in deinen Augen leuchten zu lassen", hatte Haddad sie ermahnt. Mit zwei Handgranaten bewaffnet und dem gellenden Schrei "DON'T MOVE!" eröffnete Souhaila Andrawes das Drama, an dessen Ende sie heute, fast zwanzig Jahre später, nur noch Statistin gewesen sein will.

 
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