Kapstadt

Am Dienstag bangt die Nation. Ob die neue Verfassung wohl fristgerecht vorliegen wird? Am Mittwoch wird getanzt. Endlich, die harten Tischgefechte sind vorbei, das Grundgesetz ist da. Am Donnerstag, als die Welt noch artig applaudiert, befällt die Südafrikaner eine kollektive Fassungslosigkeit. Die Regierung der Nationalen Einheit, heilige Allianz des Wandelganges von der Apartheid zur Demokratie, liegt in Scherben! Erst auf Jubelgipfeln, dann im Jammertal - der alte Hegel hätte das Wechselbad derartiger Befindlichkeiten einen "Brei der Gefühle" genannt.

Die Börse pflegt auf politische Wirrungen eindeutig und prompt zu reagieren: Vizepräsident Frederik de Klerk denkt laut darüber nach, die große Koalition seiner Nationalen Partei (NP) mit dem African National Congress (ANC) zu verlassen, und in Minutenschnelle stürzt der Kurs des Rand seinem historischen Tiefpunkt entgegen.

Als der Gedanke zur Tat wird, geht der freie Fall weiter. Nur einer bleibt seelenruhig: Nelson Mandela. Der Präsident, auf den Tag genau zwei Jahre im Amt, erklärt beim Pressefrühstück, daß er den Schritt von Mister de Klerk zwar bedauere, aber Finanzminister Trevor Manuel (ANC) voll vertraue. Dem alten Mann, so scheint es, bringen Trennungen nicht mehr aus der Fassung: Unlängst die private Scheidung von Ehefrau Winnie, jetzt die politische vom Koalitionspartner. Das Leben geht weiter.

Wozu die ganze Aufregung? Das ungleiche Bündnis auf Zeit zwischen Nationaler Partei und National Congress, ohnehin durch grobe Schrammen entstellt, existiert nicht mehr. Man habe nur eine weitere Etappe in die Normalität zurückgelegt. Hier die Regierung, dort die Opposition.

Das sei doch ganz üblich in einer Demokratie. So spricht Roelf Meyer, Generalsekretär der NP. Er hätte recht, wenn Südafrika eine normale Demokratie wäre.

Seine Partei hat ohne Not einen historischen Kompromiß aufgekündigt.