Der 48jährige Mesut Yilmaz spricht fließend Deutsch: Er besuchte ein österreichisches Gymnasium in Istanbul und studierte unter anderem in Köln Politik und Sozialwissenschaften. Nach seinem Studium war er zunächst als Unternehmer erfolgreich, bis ihn der damalige Minister- und spätere Staatspräsident Turgut Özal 1983 in die Politik holte. 1987 wurde er Außenminister, 1991 schon einmal - kurzzeitig - Ministerpräsident.

Nach den Wahlen im Dezember vorigen Jahres brauchten die beiden großen bürgerlichen Parteien - die Mutterlandspartei von Mesut Yilmaz und die Partei des Rechten Weges von Tansu çiller - achtzig Tage, um sich auf eine Koalition zu einigen. Diese steckt heute in einer schweren Krise: Tansu çiller wird Korruption vorgeworfen.

Die Bildung einer Untersuchungskommission nannte sie eine "Kriegserklärung" - seit Ende April ist die Regierungsarbeit blockiert. Unsicher ist unter diesen Umständen, ob Tansu çiller tatsächlich, wie in der Koalitionsvereinbarung vorgesehen, im Januar 1997 das Amt des Ministerpräsidenten von Mesut Yilmaz übernehmen wird.

Während des Interviews, das in der Residenz des Ministerpräsidenten in Ankara stattfand, teilte eine Mitarbeiterin mit, Tansu çiller verlange Mesut Yilmaz dringend zu sehen. Der blieb gelassen: "Ich melde mich später."