Ist in unserem an seinem Status quo leidenden Land eine Zukunft ohne einheitliche Besoldung im öffentlichen Dienst vorstellbar?

Die eingefahrenen Mechanismen der Besoldungspolitik sind längst nicht mehr geeignet, der Schule gerecht zu werden und Leistungsbereitschaft und Motivation der Lehrer wiederzubeleben. Lehren und Lernen in der Schule unterscheiden sich grundlegend von der Arbeit eines Finanzbeamten, Polizisten, Soldaten oder der Insassen eines Ministeriums.

Eine Neubewertung der Arbeit in der Schule ist überfällig. Verzichten müssen wir dabei endlich auf das einfältige Beharren am Dogma der Dreigliedrigkeit des Bildungswesens, das zum Leitmotiv auch der Lehrerbezahlung geworden ist. Nur so konnte ein Besoldungssystem überleben, das sich nicht an der ausgeübten Tätigkeit, sondern an Studienabschlüssen und Dienstalter orientiert. In der abgestuften Bezahlung von Hauptschul-, Mittelschul-, Gymnasial- und Grundschullehrern drückt sich eine unterschiedliche Wertschätzung der einzelnen Schulformen aus. Dabei wird die Vermittlung intellektuellen Wissens höher gewertet als Erziehen und Fördern von Behinderten oder "schwierigen" Schülern. Auch die berufliche Bildung und die besonders wichtige Arbeit in Grund- und Sonderschulen wird vom geltenden Besoldungssystem abqualifiziert. Im Haus des Lernens sind Erziehung, Förderung aber ebenso wichtig wie die Vermittlung fachlichen und praktischen Wissens. Jeder Lehrer leistet eine gleichwertige Arbeit. Sie muß anstelle der Eingangsvoraussetzung für ein bestimmtes Lehramt Maßstab für sein Gehalt sein.

Eine Reform sollte daher von einem einheitlichen Gehalt für alle Lehrer in West- und endlich auch in Ostdeutschland ausgehen. Nach dem Referendariat sollte mit einer A 11/A 12 (circa 4015 Mark) vergleichbaren Besoldung begonnen werden und das Gehalt nach 25 Dienstjahren mit der Endstufe von A 14 (circa 7853 Mark) enden.

Für Funktionsstellen, wie zum Beispiel Oberstufen-/Fachkoordinator, besonders schwierige pädagogische Aufgaben in heruntergekommenen Stadtteilen, sollte eine Zulage für die Dauer der übertragenen Aufgabe gezahlt werden. Sie wäre auf die Pension/Rente anzurechnen.

Das heute gültige, viel mißbrauchte System der Entlastungsstunden reicht nicht aus, um Motivations- oder Leistungsanreize zu schaffen.

Auch Lehrer, die vorübergehend Fortbildungsmaßnahmen innerhalb der Schule organisieren, ein Schulprogramm oder neue Fächer entwickeln, sollten dafür eine Gehaltszulage bekommen. Entscheidend ist, daß Funktionsstellen nur auf Zeit, abhängig von Fortbildung und Leistung, vergeben werden. Heutzutage werden Beförderungen, die in den Schulen mangels Planstellen immer seltener werden, auf Dauer ausgesprochen.