Im Welthandel wird die Rhetorik wieder einmal bellizistisch: Ein amerikanisch-chinesischer "Wirtschaftskampf" soll bevorstehen, und sogar der deutsche Außenminister Klaus Kinkel warnt Washington vor einem transatlantischen "Handelskrieg".

Streit an allen Fronten: Der amerikanische Elefant stolpert wieder durch den Porzellanladen der Wirtschaftsdiplomatie. Den Zorn der Europäer haben sich die Amerikaner mit einem Gesetz gegen Kuba zugezogen, das Unternehmen aus Drittstaaten Sanktionen androht, wenn sie sich nicht an das Embargo gegen die Castro-Insel halten.

Und Pläne aus Washington, gegenüber dem Iran und Libyen ähnlich zu verfahren, haben die Deutschen, die mit beiden Ländern den "kritischen Dialog" pflegen und dabei traditionell gute Geschäfte machen, besonders auf die Palme gebracht. Ohnedies herrscht nicht gerade eitel Sonnenschein über dem Atlantik: Die Bundesrepublik kam auf die schwarze Liste, weil deutsche Behörden amerikanische Konzerne bei zwei Ausschreibungen benachteiligt haben sollen.

Auf nicht gerade freundliche Art haben die Amerikaner zudem die Verhandlungen innerhalb der Welthandelsorganisation WTO über Liberalisierung auf den Märkten der Telekommunikation vorerst platzen lassen.

Nur eine Fristverlängerung bis ins kommende Jahr hinein verhinderte Anfang Mai den endgültigen Bruch. Vor allem Japan machte nach dem Geschmack der Amerikaner zuwenig Zugeständnisse. Daher wollten sich die Unterhändler aus Washington in letzter Minute das Recht herausnehmen, bestimmte ausländische Anbieter auch künftig bannen zu dürfen.

Und dann der ewige Fall China: Weil Raubkopierer in dem ostasiatischen Großreich die amerikanische Unterhaltungs- und Softwareindustrie um mehr als zwei Milliarden Dollar im Jahr prellen, droht Amerika mit drastischen Strafzöllen auf chinesische Waren. Der Showdown in dieser Frage wird indes erst im Juni sein.

So zetteln die Amerikaner einen Handelskonflikt nach dem anderen an, um echte und vermeintliche Sünden zu vergelten. Die Europäer nehmen den Fehdehandschuh gerne auf, wie neben kräftigen Brüsseler Drohungen auch die - übertriebene - Reaktion des deutschen Außenministers zeigt.