Karl-Heinz Anton: Mit List und Tücke argumentieren

Gabler, Wiesbaden 1995; 157 S., 58,- DM

Winfried Prost: Manipulieren und überzeugen Heyne Business, München 1996; 158 S., 14,90 DM

Das hat sich der gemeine Manager schon immer gewünscht: Tips, wie er Mitarbeiter und Chefs, Konkurrenten und Kunden im Gespräch so richtig über den Tisch ziehen kann. Schließlich zählt im Beruf allein der Erfolg. Da stört das ganze Trend-Gesülze über Betriebsklima, Fairneß und Teamfähigkeit doch nur. Die Stolpersteine auf dem Weg zum Spitzengehalt werden gekonnt weggeredet. Und wer es bis ganz oben geschafft hat, darf bei der Wahl der Argumente erst recht nicht zimperlich sein.

Zwei Buchtitel versprechen hier Sieg auf der ganzen Linie: das Heyne-Taschenbuch "Manipulieren und überzeugen" sowie "Mit List und Tücke argumentieren" aus dem Gabler Verlag. Beide Bücher überlassen es dem Leser, die Analyse listiger und hinterhältiger Debatten zum Selbstschutz zu nutzen oder sich die beschriebenen Methoden anzueignen. Ein knallharter Siegertyp zu werden, das scheint trainierbar.

Und doch: Beide Autoren äußern gewisse Skrupel. Rhetorikdozent Winfried Prost findet es richtig, seine Interessen mit gut gewählten und geschickt vorgetragenen Argumenten durchzusetzen. Unfaire Methoden hält er nur dann für "vertretbar, wenn andere Gesprächspartner selbst zu unfairen Methoden greifen". Notwehr also. Er warnt davor, in einer emotional vernichtenden Auseinandersetzung "Kräfte zu entfesseln, die Sie nicht mehr bändigen können". Für den Kampf bis aufs Messer gibt er deshalb nur elf Tips, darunter Verschleppungstaktik und Angriffe auf Sachkompetenz oder Verantwortungsbewußtsein des Gegenübers. Ansonsten bleibt Prost moralisch und beschränkt seine griffig formulierte Sprachanalyse darauf, Manipulationen zu beschreiben.

Ganz anders kommt Management-Trainer Karl-Heinz Anton daher. Der Sozialphilosoph, der als Privatdozent an der Gesamthochschule in Duisburg evangelische Theologie lehrt, liefert Strategien für gegnervernichtende Argumentation. Anton belebt die Eristik, die Kunst des Streitgesprächs. Eris, die griechische Göttin des Streites, leistet dem Redner Beistand - allerdings nicht für gute, nur für schreckliche Eristik, die Feindschaft und Not unter den Menschen weckt, wie es der Dichter Hesiod beschrieben hat. Wahrheitssuche und Ethik interessieren den Eristiker nicht. Ihm ist einfach jedes Mittel recht, wenn er nur den Sieg davonträgt. Überraschungseffekt, Vernebelungstaktik, unverschämtes Auftreten, lautes Gebrüll oder zynisches Geflüster sind nicht nur erlaubt, sondern werden als eristische Techniken gefeiert. Anton entlarvt Umgangsformen als Hindernisse. Pünktlichkeit, Höflichkeit, Zuhören sind drei von zwanzig Fehlern, die Eristikern keinesfalls unterlaufen dürfen.