Am 19. Mai wird einer der bedeutendsten Regisseure des zeitgenössischen Theaters, Peter Zadek, siebzig Jahre alt - und am Abend in Berlin groß gefeiert, wo beim Theatertreffen seine Wiener Inszenierung von Tschechows "Kirschgarten" im Theater am Kurfürstendamm zu sehen ist. Hier gratuliert ihm sein jüngerer Regie-Kollege.

In meiner teuflischen Nachahmlust mache ich ihn am liebsten nach.

Ich lehne mich in einem Sessel zurück, schiebe die Brille ein wenig nach unten, schaue über die Gläser, den Kopf leicht gesenkt, und sage mit einer leicht, aber absolut kontrolliert näselnden Stimme: "Liebling, weiss du ..."

Meine Zuhörer sind meistens verblüfft. Und dann findet sich immer einer, der behauptet, ich würde ihm immer ähnlicher. "Du siehst bald aus wie Peter Zadek", wie oft habe ich das schon gehört.

Ich habe nichts dagegen. Warum sollen sich eigentlich ein paar Leute nicht ein wenig ähnlich sein. Man sagt doch: "Schade, daß es von denen nicht mehr gibt!" Es stimmt außerdem: Ich fühle mich ihm verwandt, auch wenn die Ergebnisse dieser Verwandtschaft im Theater höchstwahrscheinlich sehr gering zu sehen, zu spüren sind.

Schreiben über Peter Z. ist so kompliziert, wie Flimmern statisch zu machen, Merkur zu erwischen, einen Traum drei Tage später präzise nachzuerzählen: Das widerlegt vollständig, daß ich ihn gut nachahmen kann, und auch wieder nicht.

Zadek ist eine Art Kobold, ein Wesen, das sich nie da befindet, wo man es erwartet (und in diesem Punkt wohl unverwechselbar).