Elche, zum Beispiel, lassen sich nicht kommandieren. Karl der Zwölfte, König von Schweden, hat es einmal versucht, hat geruht, sie für die Armee zu rekrutieren; die Tiere haben verweigert.

Jetzt wollte ein Mann aus Västerßs sich wieder an ihnen zu schaffen machen, "Weltmeisterschaften im Elchreiten" veranstalten etc., natürlich gab es Proteste, und das Landwirtschaftsministerium in Stockholm hat auch schon verboten.

Aus Berlin-Charlottenburg hingegen kommt die Nachricht, daß dort erstmals seit Hitlers Zeiten wieder Soldaten öffentlich geloben sollen, am 31. Mai vor dem Schloß; das wird was werden. Ohnehin eine seltsame Sache, dieses Geloben, zumindest solange es hierzulande noch Wehrpflicht gibt - denn kann jemand gezwungen werden, etwas zu geloben, zu schwören? Eigentlich Humbug. Aber Befehl ist Befehl, versteht sich. Und was ist nicht schon alles befohlen worden!

Vielleicht war dieses Jahrhundert das Jahrhundert der Technik oder das Jahrhundert der Ideologien - ganz bestimmt aber war es das Jahrhundert des Befehls. Ob auf den Schlacht-Feldern von Langemarck und Verdun, ob bei den Massakern zwischen Katyn und Chatyn, ob in den KZs oder in den Lagern des Archipel Gulag, ob in den Folterfarmen Lateinamerikas oder auf den killing fields Vietnams und Kambodschas: Befehl war Befehl. Das versichert auch noch der letzte deutsche Soldat des Zweiten Weltkriegs, Herr Priebke in Rom, und das werden die jugoslawischen Landsknechte ihren Richtern in Den Haag versichern, und so geht's, ein Lied zwei, drei, ins nächste Jahrtausend.

Nun braucht, wen es zum Morden, Vergewaltigen und Rauben drängt, keinen Befehl. Kain tut's auch so, hat Spaß dabei und sagt dann hinterher, ich konnte ja nicht anders. Wie man umgekehrt auch nicht vergessen soll: Befehle haben manches Leben schon gerettet.

Vor dem brennenden Haus, bei der Gangsterjagd, selbst am Operationstisch kommt der Moment, da die Diskussion zu Ende ist, da der eine entscheidet und die anderen gehorchen müssen. Doch wen nötigt der Staat schon, Polizist oder Feuerwehrmann oder OP-Schwester zu werden? Freiwillige vor.

Freiwillige vor - denn niemand sollte gezwungen sein, gezwungen zu werden. Es ist ein gefährlich Ding, der Befehl. Er blockiert das Gewissen, er löst den Riegel. Er kann aus Menschen Messer und Gewehre machen. Er läßt die Mordlust los, die Zerstörungswut, und der dünne Firnis der Zivilisation zerstäubt. Wo die Herrschaft des Befehls beginnt, wird die Welt zur Hölle.