Auch der Journalist sitzt an der Quelle - sofern er ein gutes Archiv im Rücken weiß. Aber welches Archiv ist schon gut?

So wie der Druck ein Manuskript adelt, verklärt auch ein Archiv seine Zuverlässigkeit mit der Fülle seiner Quellen. Nur: Wie klar sind die? Archiviert werden schließlich auch die Fehler. Und so leben sie, sorgfältig dokumentiert, fort und fort.

Womit wir beim Thema wären: Mut zur Korrektur, Eingeständnis von Fehlern. Und das im Journalismus.

Mutter aller Mutigen ist da die New York Times. Bereits auf Seite zwei bringt sie ihren Corrections Corner. Hier wird berichtigt, was falsch im Blatt stand. Die Zeilen haben schon fast was Masochistisches.

Wenn zum Beispiel berichtigt wird, daß die Packung Heroin nicht in "301 West 57th Street, Ap. 26 G", sondern in "201 West 57th Street, Ap. 26 G" gefunden wurde. Kollegen halten solch bußfertige Neigung für Eitelkeit. Die NYT wolle damit nur in die Geschichte eingehen. Genau das will sie. James Reston, der legendäre Chefredakteur des Blattes, hat da eine Bürde hinterlassen: "Unsere oberste Verpflichtung gilt dem Historiker, der in fünfzig Jahren leben wird. Die Times ist Quellenmaterial, und wir dürfen den Brunnen der Geschichte nicht vergiften."

Hierzulande ist mir nur die Badische Zeitung bekannt, die bei gegebenem Anlaß einen Korrekturkasten bringt, das "Dementi". Hier werden nicht nur die Fehler korrigiert, sondern listig noch mit einer weitergehenden Information versehen. Aus Fehlern lernen.

Einen ganz anderen Weg geht man in der Schweiz, in Luzern. Dort haben drei Tageszeitungen fusioniert und die Redakteure ob dieses Monopols ein schlechtes Gewissen. Also kürten sie einen Ombudsmann, der Leserproteste, -nörgeleien registriert und unzensiert ins Blatt bringt. Bei der Auswahl helfen ihm sechs sachkundige Beobachter.