Da kann sich der Peuschel-Werner aber noch gut daran erinnern: "Dreimol ho iech als Kind in dan Horlemannspiel mietgespielt, das war's schönnste, an wassn iech miech erinner ka!" Das mußte mal laut gesagt werden, denn der Herrmann-Wolfgang, die Klein-Gudrun, die PDS-Joppichen, der alte Mundartdichter (was der Kempf-Werner ist) und wie sie alle heißen, die soll'n sich doch nicht so aufregen, daß man die gute alte Zeit heuer zum Bergmannstage aufleben lassen will. So wird der Peuschel-Werner sicher wieder mitspielen als einer der stolzen Komparsen im Stück, das der Findeisen-Kurt 1935 im Auftrag der Stadt Schneeberg geschrieben hatte.

Von 1935 bis 1938 wurde das "Kultspiel mit heroischem Antrieb" (NS-Presse) jeden Sommer eben dort vor St. Wolfgangs Tor aufgeführt.

Gezeigt wurde, wie der einfache deutsche Mann sein Blut auf dem Boden der Heimat vergießt und sich gegen die Feinde, das heißt gegen die Fremden jenseits der Grenze, zur Wehr setzt. Vom "bestialischen Tschechenterror" war die Rede gewesen. Das Spiel vom getreuen Horlemann verfaßte der Sachse Findeisen. Ein Propagandaopfer, wie manche meinen. Aber 1934 schwärmte er im Völkischen Beobachter von der Auftaktpremiere der von Hitler eröffneten Reichstheaterwoche, indem er den Kleistschen "Prinzen von Homburg" zum Prototyp des nationalsozialistischen Theaters erklärte und das "Aufgehen des Sonderwillens in den Gemeinwillen ..., das vaterländische Schauspiel großen Formates" bezeugte.

Ein Jahr später demonstriert Findeisens Held Horlemann ähnliche Glaubensbekenntnisse. 1943 bekommt der Dichter dann auch zu seinem 60. Geburtstag vom Reichsstatthalter und sächsischen Gauleiter, dem Mutschmann-Martin, den ersten Gau-Kulturpreis zugesprochen.

Und was der Lehmann-Emil war, der widmete 1937 in ergriffener Dankbarkeit dem Dichter ein Buch, worin zu lesen steht: "Der Fremdraum vor unserer Ostgrenze drängt hier am meisten gegen Deutschlands Mitte vor, greift am empfindlichsten gegen Deutschlands Herz.

Sachsen ist Deutschland, wo es am engsten zusammengepreßt ist, wo es am dichtesten liegt, wo es auch am meisten ist das Volk ohne Raum."

Der Historienschreiber Kurt Arnold Findeisen (geboren 1883) verfaßte, neben zahlreichen Biographien, Werke wie "Sachsen. Ahnenland", "Ein deutsches Herz" oder "Es ist ein blonder Schein" (1936).