Ende gut, alles gut. Im Zustand seiner tiefsten Zerrüttung und gleichermaßen tiefen intellektuellen Erschlaffung ist es dem westdeutschen PEN-Zentrum nun dennoch gelungen, der Debatte über Sinn und Unsinn, Bedingung und Notwendigkeit einer Vereinigung mit seinem ostdeutschen Pendant eine würdige und angemessene Form zu verleihen: Auf dem am vergangenen Samstag beendeten Jahrestreffen (abgehalten in Heidelberg, unter dem sinnigen Titel "Terror der Aktualität") ließ man sie in den ebenso langen wie ruh igen Fluß der Kommissionen-, Ausschuß- und Unterausschußgründungen münden.

Pfiffig: Einerseits setzt man damit ersichtlich auf eine biologische Lösung - was beim Durchschnittsalter der Disputanten ja auch keine ganz abwegige Idee ist. Andererseits erhält man selbigen den Anlaß, sich auch mittel- und langfristig nach Herzenslust weiterzustreiten.

Ingrid Bachér, die sich fortwährend "beleidigt", "angegriffen", von konspirativen "Kadern" aufs Korn genommen fühlt, kann in der ganzen Debatte ohnehin nur ein Ziel erkennen: sie "persönlich" zu ärgern.

Eine Verfolgungsneurose? Während der Mitgliederversammlung gelingt es wirklich kaum einem Redner, sich eine kleine Boshaftigkeit an ihre Adresse zu ersparen. Doch Bachér steht nicht allein. Am zweitliebsten erniedrigt: Justitiar Manfred Schiedermair, als Nicht-Dichter sämtlichen Anwesenden besonders suspekt ("Frau Präsidentin, warum darf dieser Kerl hier überhaupt reden?"), gefolgt von Carola Stern ("Anti-Demokratin"), Yaak Karsunke ("Stasi-Kommissar") und Uwe Wesel ("soll lieber nach Hause gehen").

Wegen dieser "Umgangsformen" wird Generalsekretär Manfred Schlösser am Tag nach dem Treffen zurücktreten. Doch leider, so kurzweilig sich das anhört: Die gesamte Diskussion ist von einer Ritualisierung befallen, die noch die infamsten Verdächtigungen, die geschmacklosesten Bonmots eigentümlich entdramatisiert. Nicht einmal der halbstündlich wieder ausbrechende Dauer-Slam Bachér vs. Stern vermag verläßlich für Stimmung zu sorgen - obwohl hier alles geboten wird, was das Herz begehrt: wildes Gefauche, schrilles Geschrei, zotige Possen.

Aber genauso entschlossen, wie die beiden Damen (immerhin Präsidentin und Ehrenpräsidentin) eben noch aufeinander losgegangen sind, so gleichmütig und unvermittelt einigen sie sich im nächsten Moment darauf, aus ihren, wie man dachte, entgegengesetzten Anträgen einfach ein und denselben zu machen.

Nach rund einhundert mehr oder weniger ausufernden Wortmeldungen (soweit der Korrespondent jetzt noch folgen kann) findet das Plenum glücklich zu folgendem Reglement: Es wird eine Urabstimmung lanciert, und zwar über die Einsetzung einer Kommission zur Bestimmung der Bedingungen der Möglichkeit der Vereinigung, wie aber auch eine zweite Kommission, die - gänzlich ohne Urabstimmung! - die zur Vereinigung notwendige Prüfung der Mitglieder daraufhin vornimmt, ob diese irgendwann einmal gegen die Bestimmungen in der Charta des Internationalen PEN verstoßen haben.