Carlo De Benedetti, Chef des italienischen Elektronikkonzerns Olivetti, sucht sein Heil wieder einmal im Umbau. Doch während De Benedetti einst durch Umorganisation und Partnerwechsel auf Expansionskurs steuerte, kämpft er nun gegen erdrückende Verluste.

Mehr als 4 Milliarden Mark hat Olivetti in den vergangenen fünf Geschäftsjahren verloren - allein im vergangenen Jahr waren es 1,6 Milliarden. Bei einem Konzernumsatz von 9,6 Milliarden Mark kam damit auf je sechs Mark Umsatz eine Mark Verlust. Das halten auch die risikofreudigsten Banken und die nervenstärksten Aktionäre nicht lange aus.

In der Abteilung für Personalcomputer drücken die Verluste am stärksten. Allen Anstrengungen zum Trotz nämlich hat Italiens größter Informatikhersteller bisher nie so viele PCs verkauft, daß Gewinne erzielt werden konnten. Bis zum Jahresende soll die Sparte nun auf Biegen oder Brechen ein ausgeglichenes Ergebnis erreichen. Sonst wird sie entweder verkauft - falls sich dafür ein Interessent findet - oder geschlossen.

Damit leitet De Benedetti ein weiteres Kapitel in der überaus unruhigen und wechselvollen Geschichte seines Unternehmens ein.

Gemeinsam mit Großbanken und befreundeten Konzernen wie Fiat und Pirelli hatte der heute 61jährige vor knapp zwanzig Jahren das 1908 gegründete glorreiche Unternehmen in einer Art Handstreich von den nur unzureichend engagierten Nachkommen der Gründerfamilie übernommen. Damals hatte Olivetti gerade das Geschäft mit Großanlagen an General Electric verkauft, weil der Konzern mit der Entwicklung nicht mehr Schritt halten konnte. Der Umstieg auf kleine elektronische Systeme und Terminals war richtig, forderte aber mehr Kräfte als zur Verfügung standen. De Benedetti, der gerade ein Abenteuer von hundert Tagen als Vizepräsident der Fiatgruppe hinter sich hatte, steckte seine Abfindung sowie den Erlös aus dem Verkauf seines Fiataktienanteils von fünf Prozent in den Einstieg bei Olivetti. Innerhalb kurzer Zeit machte er aus dem für seine ästhetisch schönen, aber mit wenig modernem Inneren ausgestatteten Produkte bekannten Unternehmen einen veritablen Elektronikkonzern.

Wegen seiner aggressiven Managermethoden und seiner glänzenden Erfolge bekam De Benedetti den Beinamen "der Tiger". Als Partner wählte er zuerst Saint-Gobain, dann Alcatel und 1983 den mächtigen amerikanischen Telekommunikationskonzern AT&T. Dabei behielt De Benedetti stets das Sagen. Als der Tiger 1986 vom VW-Konzern die sanierungsreife Triumph Adler kaufte, brachte er die Wolfsburger dazu, auch noch für 600 Millionen Mark fünf Prozent von Olivetti zu übernehmen.

Von diesem Besitz ist dem Autokonzern fast nichts mehr geblieben.