Wahrscheinlich wird er noch einmal eine "Bude" machen in seinen letzten beiden Aufführungen, so wie er ja (fast) in jedem Spiel ein Tor gemacht hat. Entweder am Samstag in Leverkusen - oder spätestens am nächsten Dienstag beim offiziellen Abschiedsspiel.

Denn wenn auch die Zuschauer ihn, seiner graumelierten Haare wegen, längst "Tante Käthe" rufen, so ist Rudolf Völler doch immer noch der sprichwörtliche "Gefahrenherd", der jeden Strafraum der Welt in Flammen setzt. Doch jetzt, da er 36 Jahre alt ist und der Körper allmählich "Signale" sendet - "die mir den Abschied erleichtern" -, hat der Realist Völler die Entscheidung getroffen: "Es muß Schluß sein."

Ruuuuuudii schießt, köpft, flankt, reißt, tritt und schwalbt also nicht mehr. Damit steigt ein Protagonist von der Bundesligabühne, den es im durchkalkulierten Ballgewerbe so eigentlich gar nicht mehr geben durfte. Eine Ikone. Obwohl er bei vielen Vereinen in Europa spielte, huldigte das Volk Rudi Völler wie einst "uns Uwe" Seeler, der nie seinen Hamburger SV verließ.

Das war ja, sechzehn Profijahre lang, das wirklich Phänomenale: Wohin immer der gebürtige Hanauer wechselte - von Offenbach zu den Münchner Löwen, von Bremen zum AS Rom und von Marseille nach Leverkusen -, wurde der passionierte Angreifer "der Mann für den Fan auf den Stehplatzrängen" (FAZ). Und dies, obwohl und weil er außer Toren nichts Besonderes zum Spiel beizutragen wußte.

"Ich bin doch wirklich nicht anders als die meisten anderen", hat er neulich erst wieder einem einigermaßen ratlosen Reporter gestanden - ganz so, als hätte er noch nicht mitbekommen, daß genau dies typisch Rudi Völler ist. Banales zieht sich wie ein roter Faden durch die tausend Geschichten und Berichte über diesen Spieler, der nicht die Welt erklären wollte und sich stets auf kurze, präzise Sätze über Tore, Punkte und Elfmeter beschränkte.

Dies machte Rudi beliebt, die meisten wollten ja nur Tore von ihm, denn es ging um Fußball, sie dankten es ihm mit inbrünstiger Treue. Weder eine Scheidungsgeschichte noch seine in Rom perfektionierte Art, das Stürmerfoul als präventive Form von Notwehr zu pflegen, haben dem Bild vom Gutmenschen etwas anhaben können.

Aber nun ist Schluß: Zwei Jahre vor dem Abbau der Stehplätze in den Fußballstadien geht nun einer ihrer letzten Götter. "Dankbarkeit" für das "Glück", das ihm ungeachtet einer umfangreichen Verletzungsliste zuteil wurde, bestimmt die Gefühle des Ausständlers. "Wer hat schon die Möglichkeit, sein Hobby zum Beruf zu machen?" Da lugt durch den Kosmopoliten und künftigen Manager des Vereins Bayer Leverkusen noch immer der großherzige Kleinbürger. Wie sagte "uns' Uwe": "Das Schönste im Leben ist, normal zu sein."