Am Dienstag, dem 27. November 1095, konnte die mächtige Bischofskirche von Clermont in der Auvergne die vielen Gläubigen nicht fassen.

Sie waren gekommen, um eine Botschaft zu hören, die Papst Urban II.

der Christenheit verkünden wollte. Damit alle Platz finden konnten, zog man auf ein freies Feld vor dem Osttor der Stadt.

Schon die Gestalt dieses Papstes muß die Menge beeindruckt haben.

Die Zeitgenossen beschreiben den Sproß der machtbewußten Grafenfamilie de Lagery aus der Nähe von Châtillon-sur-Marne als ungewöhnlich hochgewachsen, schlank, mit edlen Zügen und imponierendem Bart, eher das Urbild eines kampferprobten Ritters als das eines Kirchenmanns.

Mehr noch als seine äußere Erscheinung erregte die Menge, was der Grandseigneur im päpstlichen Ornat zu sagen hatte: Er rief die Christen des Abendlands auf zur bewaffneten Pilgerfahrt ins Heilige Land.

Nicht der Papst rede, sagte Urban, Christus selber spreche durch ihn. Er schilderte die Not der orientalischen Christenheit unter dem Joch des Islam, die Bedrohung der Byzantiner durch die Ungläubigen und die Überfälle auf fromme Jerusalem-Pilger. Denen, die bei der Befreiung der heiligen Stätten von den Ungläubigen als "Christi Herolde" im Kampf fallen sollten, versprach er den Erlaß der kirchlichen Sündenstrafen.