Steht die Firma vor der Pleite, haben die Beschäftigten wenig zu lachen. Sollen die Jobs erhalten bleiben, müssen die Arbeitnehmer Verzicht üben. Der Staat aber kann nicht pleite gehen, und das ist eines der Probleme der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst.

Manchem Staatsdiener fällt noch immer die Einsicht schwer, daß es wegen der Notlage seines Arbeitgebers nichts mehr zu verteilen gibt. Wenn die Finanzpolitiker ohnehin mit Milliardenschulden jonglieren, was machen da schon ein paar Mark Gehalt? Die öffentlich Bediensteten, sagen zudem die Gewerkschaften, arbeiten wie andere auch, und die Finanzmisere ist nicht ihre Schuld. Beides ist wahr und zählt doch am Ende wenig. Den Arbeitern des Bremer Vulkan hat niemand Faulheit nachgesagt, und für das Mißmanagement ihrer Chefs können sie nichts. Geholfen hat ihnen das nicht. Überdies gilt auch für den Staat, daß steigende Lohnkosten Arbeitsplätze vernichten. Zwar garantiert selbst eine Nullrunde nicht alle Jobs. Umgekehrt aber verstärkt jede zusätzliche Mark den Druck auf die öffentlichen Arbeitgeber, weiter Personal zu reduzieren.

Verzwickt ist die Lage auch deshalb, weil der Gesetzgeber zugleich Tarifpartner ist. Mit der Forderung nach einer zweijährigen Nullrunde, Teil ihres Sparpakets, hat die Bundesregierung eine barsche Vorlage gegeben. Die Gewerkschaften fürchten zu Recht um die Tarifautonomie, wenn ein Kabinettsbeschluß Lohnverhandlungen ersetzen soll. Um ihr Gesicht zu wahren, werden sie deshalb einen Streik nicht scheuen, wenn sie nur eine formale Nullrunde verhindern können.

Und letzteres scheint auch möglich, ohne daß die Personalkosten weiter steigen. Die Gewerkschaften wollen 4,5 Prozent mehr Lohn - aber was heißt das schon? Selbst Skeptiker in den eigenen Reihen wissen, daß, zumal nach den mageren Abschlüssen in anderen Branchen, mehr als die Inflationsrate ohnehin nicht zu holen ist, und die liegt derzeit bei 1,5 Prozent. So schmal ist letztlich die Marge, um die es geht. Es sage niemand, daß es dafür keinen Verhandlungsspielraum gibt.

Wenn sich auch der öffentliche Dienst auf halbwegs moderne Methoden des Personalmanagements einließe, könnte viel Geld gespart werden.

Arbeitszeitkonten, nur zum Beispiel, würden auf Dauer teure Überstunden verschwinden und so auch die Kosten der Lohnfortzahlung für Kranke sinken lassen. Würde endlich nach Leistung und nicht nach Dienstalter bezahlt, stiege die Produktivität des öffentlichen Sektors. Kosten würden auch gespart, wenn, wie mancherorts bereits diskutiert, den Besserverdienenden ermöglicht wird, kürzer zu arbeiten - ohne Lohnausgleich. Besinnen sich die Verhandlungsführer auf all dies und zudem auf die üblichen Tariftricks, etwa eine Verschiebung der Lohnerhöhung um ein paar Monate, dann können die Gewerkschaften einen kleinen Erfolg nach Hause tragen, ohne daß die Not der Kämmerer weiter wächst.

Bleiben die Beamten. Es ist alter Brauch, daß ihr Sold mit den Einkommen von Arbeitern und Angestellten wächst. Aber muß dies so sein? Die Beamten müssen weder für ihre Alterssicherung sorgen noch um ihren Job fürchten. Ihnen ist, mit Verlaub, in diesen Zeiten eine Nullrunde zuzumuten. Hier könnte der Gesetzgeber den Mut beweisen, seine eigenen Vorsätze durchzusetzen. Das Problem ist nur, daß im Parlament mehr Beamte als Müllmänner sitzen.