BERLIN. - Fünfhundert Kilo schwer und 3,40 Meter groß ist die Bronzestatue von Willy Brandt. Aber im hellen Tageslicht wirkt die massige Arbeit von Rainer Fetting wie eine nächtliche Erscheinung.

Ein Wiedergänger der alten sozialdemokratischen Identität hat sich im eleganten Vakuum des neuen Parteihauses der Sozialdemokraten materialisiert. Nur die Hand redet; übergroß, besänftigend, gliedernd, den Abstand wahrend - doch wem gegenüber? Den Massen? Der Partei?

Dem Ort?

Als die Hülle fiel, mischten sich in den Beifall Töne der Verlegenheit.

Ein wenig zu proletarisch erschien der einstige Parteiführer vor dem Hintergrund der eleganten Architektur. Kein spannungsvoller Gegensatz, sondern unverbindliche Fremdheit.

Bei der Eröffnungsfeier war vom Signal, von Zeichen, vom historischen Tag die Rede. Tatsächlich drängten die Umstände zum Pathos: Die erste Parteizentrale, die in der neuen alten Hauptstadt eröffnet wird; die Berliner Tradition der Sozialdemokratie; die wünschenswerte Wucht des Gebäudes, das wie ein Tankerbug am Eingang der Wilhelmstraße aufragt. Allein, hörte man auf die Festreden und ihre Zwischentöne, so lag zwischen dem Zeichen-Setzen und der Zeichen-Deutung ein Abgrund. Der Regierende Bürgermeister Diepgen wurde intransigent und rieb seiner CDU in Bonn, die bis heute noch nicht einmal ein Grundstück für die Parteizentrale in Berlin hat, die Bedeutung des Ereignisses unter die Nase. Oskar Lafontaine erklärte. "Wir wollen heute deutlich machen: Die Verwirklichung der inneren Einheit ist für uns eine vorrangige Aufgabe." Spricht so die Leidenschaft eines Parteiführers, ist das die Tonlage für den "historischen Tag"? Die Signale, die er beschwor, setzte er nicht.

Der Architekt Bofinger fragte sich öffentlich, warum denn die Partei darauf verzichte, das Leuchtschrift-Logo auf die Spitze des Hauses zu setzen. Er erinnerte daran, daß die Bauherrin, die Schatzmeisterin Wettig-Danielmeier, auf dem Mannheimer Parteitag für ihr Berliner Engagement abgestraft worden sei. Lafontaine erwähnte beiläufig, daß es "bis zum endgültigen Umzug noch eine gewisse Übergangszeit" gebe. Tatsächlich ist in das "Willy-Brandt-Haus" zunächst einmal nicht die Partei, sondern die unausgefüllte Übergangszeit eingezogen. Der Betriebsrat der Bonner SPD-Baracke hat sein Veto gegen den Umzug der Parteireferenten eingelegt. Auch er orientiert sich an den Forderungen der Bonner Beamtenschaft und reklamiert, für die Genossen Funktionäre, den goldenen Umzugswagen.