FREIBURG. - Die Telekom, weiland Post, puscht ihr neues Telephonsystem ISDN. Ach, Telephon! Multimedia! Datenautobahn! In bunten Katalogen preist Telekomdirektor Hans Huber die Vorzüge des schnellen Drahtes.

ISDN, zu deutsch "Dienste integrierendes digitales Netz", wird sogar finanziell gefördert, indem die Telekom bares Geld überweist, 300 Mark oder bei aufwendigerer Anschaffung gar 700 Mark. Und tatsächlich, die neue Welt der digitalen Schnelligkeit bringt etwa den Telekomdienst Datex-J, jetzt modisch in "T-Online" umgetauft, früher schlicht Btx, in rasender Plötzlichkeit auf den Bildschirm.

ISDN kostet bald kaum mehr als zwei herkömmliche Anschlüsse, erlaubt dem Nutzer aber drei Telephonnummern mit acht herkömmlichen Anschlüssen und macht auch Funkübertragungen durch ein Spezialtelephon mit sieben Kilohertz Sparsamkeit (zum Beispiel für die ARD) in guter Qualität möglich.

Der Chronist hatte also gute Gründe, ISDN anzuschaffen. Doch die Neuerung brachte Überraschungen. Zunächst gelang es dem Monteur nicht, die alten Telephone ohne Macken und Mucken an das dafür vorgesehene Gerät namens Ferrari anzuschließen. Er mußte dreimal kommen, denn auch die ISDN-Leitungen waren verdrillt. Den Computeranschluß mit der, wie erwähnt, blitzartig kommunizierenden ISDN-Karte schaffte der Monteur schon gar nicht.

Der nachdenklicher werdende Chronist mußte lange mit einem Fachmann der Firma des Monteurs telephonieren, bis auch dieser Anschluß klappte und die sagenhafte Schnelligkeit faszinieren konnte. Doch leider - da acht Leitungen zur Verfügung stehen, kann ein Anrufer auch dann auf einem nicht genutzten Apparat klingeln, wenn der Angerufene längst auf einem anderem Anschluß telephoniert. Der Anrufer hört keinen Besetztton. Das Computerprogramm, sonst in tausend Varianten strahlend, hat diesen einfachen Konflikt nicht bedacht. Streß, o Streß!

Eines Donnerstag abends war die neue Anlage plötzlich tot. Den Vieltelephonierer ergriff - vor dem Wochenende - Panik. Er rannte zum Telephonhäuschen, abends um neun. Die Dame der Störungsstelle (in Konstanz!) hatte Mitleid und versprach Hilfe. Am nächsten Morgen rief ein Techniker der Telekom an. Da funktionierte die Anlage wieder. Er wußte nicht, was die Störung verursacht hatte und schob es auf die private Anlage namens Ferrari. Später rief er nochmals an und gestand, in der Vermittlungsstelle sei ein elektronisches Bauteil ausgefallen.

Also nicht Ferrari, sondern die Telekom. Das Verblüffendste geschah dann überraschend wenige Tage später, als endlich alles gut funktionierte.