Richard David Precht: "Haben Tiere Rechte?", ZEIT Nr. 18

Das Tierschutzgesetz reglementiert und legalisiert lediglich eine lebensverachtende Schinderei und Tierausbeutung - von wirklichem "Schutz" ist im Alltagsgeschehen kaum eine Spur zu finden. Aber es geht den Tierrechtlern auch gar nicht um mildtätige Gnadenakte, sondern um Rechte des einzelnen Tieres auf individuelle, artgerechte Entfaltung im Sinne Albert Schweitzers. Ja, Tiere haben Rechte - Ethik und Moral sind eben nicht nach Belieben teil- und anwendbar, wie es uns Anhänger anthropozentrischen Denkens gerne weismachen wollen. Tiere sind die "Neger" der heutigen Zeit und werden behandelt wie früher Sklaven. Jeweils geltende Gesetze und das Recht müssen nicht immer übereinstimmen - oder wer würde heute Sklavenbefreier kriminalisieren, nur weil die (damals) gültige Rechtsprechung nicht auf ihrer Seite stand?

Ulrich Dittmann, Zweibrücken

Natürlich haben auch Tiere bestimmte Rechte - etwa das Recht, nicht gequält zu werden. Daran kann auch die Tatsache nichts ändern, daß Tiere ihre Rechte nicht selbst vertreten können; denn das können auch Kinder oder geistig Behinderte nicht. Dennoch haben auch sie Rechte, darunter sogar unantastbare Grundrechte, die stellvertretend von Erziehungsberechtigten oder Treuhändern wahrgenommen werden. Eine Gesellschaft, die Tieren wenigstens Schutzansprüche gewährt, wie es etwa im deutschen Tierschutzgesetz der Fall ist, muß folgerichtig dafür sorgen, daß diese Bestimmungen auch zur Geltung kommen. Entsprechende Klage- und Verfahrensrechte für anerkannte Tierschutzorganisationen wären eine gute Möglichkeit, den Tieren zu ihrem Recht zu verhelfen. Der Gesetzgeber sollte dies bei der anstehenden Neufassung des Tierschutzgesetzes berücksichtigen.

Ilja Weiss (Bund gegen Mißbrauch der Tiere e. V.), Hofheim

Der von dem Verfasser zitierte Philosoph Bentham hat noch etwas Treffendes gesagt: "Es geht nicht darum, / ob sie denken können!

/ Oder ob sie sprechen können! / Es geht einzig und allein darum, / ob sie leiden können!"