Deutschland im Mai - an Schlaf ist nicht mehr zu denken. Bis tief in die Nacht hämmern aus Nordsüdwestost die Bässe der Stereoanlagen. Der deutsche Mensch, in den Mai und durch den Mai tanzend, muß schließlich mit aller Gewalt beweisen, daß er kein öder Streber mehr ist, sondern ein südlicher Sinnenmensch.

Das geht so bis drei Uhr früh. Dann endlich ist Stille.

Doch schon um vier hebt neues Lärmen an. Jetzt sind es die deutschen Singvögel in den grünen Bäumen, die brünstig brüllend ihr Maientagwerk beginnen.

Wer da nicht mitfeiern mag bis drei, wer da nicht mitzwitschern kann ab vier, wer also weder zum Sinnenmenschen noch zum Singvogel taugt, dem greift die Einsamkeit ans Herz. Der fühlt sich völlig "leer im Kopf", wie Fußballehrer Rehhagel, Otto. Der fühlt sich vom Leben selber fristlos gekündigt. Ohne Abfindung.

Tags darauf geht der Einsame einsam ins Asyl der Einsamen: ins Kino. Und findet hier sogleich "die Würze allen Lebens" (Shakespeare, Willi): den Schlaf. Baccardi und Langnese, Jack Daniels und Jever singen und schaukeln ihn in den von allem Herzweh erlösenden Schlummer.

Dann ein jähes Erwachen: die Vorschau auf den nächsten Film, demnächst in diesem Theater: "Leaving Las Vegas". Die Verheißung kommt krachend und in Dolby Stereo: "Ein Liebesfilm - so überraschend wie die Liebe selber!"