Canto d'amore", Lied der Liebe, heißt die spektakuläre Ausstellung im Kunstmuseum Basel. Unter dem Titel des berühmten Bildes von Giorgio de Chirico mit dem weißen, hellenistischen Gipshaupt neben einem roten Gummihandschuh, das als Werbung die ganze Stadt beherrscht, sind hier Meisterwerke der Moderne im Überfluß zu bestaunen.

Als ob dergleichen heute noch selbstverständlich wäre. Aber wieviel Geschick, diplomatische Zähigkeit und Durchsetzungsvermögen müssen erforderlich gewesen sein, um diesen Höhenweg durch die - wesentlich in Paris entstandene - Kunst der zwanziger und dreißiger Jahre zu ermöglichen! Die Ausstellung steht im Zeichen des Cocteauschen rappel a l'ordre, durch den nach dem avantgardistischen Erdbeben des Jahrhundertanfangs der Bruch mit der Vergangenheit scheinbar wieder rückgängig gemacht wurde. "Klassizistische Moderne in Musik und bildender Kunst 1914-1935" heißt denn auch die Ausstellung mit vollem Namen. Die Schwerpunkte der Museumssammlung bieten dieses Thema quasi wie von selber an, zudem gibt es ein Doppeljubiläum, das die Ausstellung feiert: Paul Sacher, der große Mäzen der modernen Musik, ist neunzig geworden, und seit zehn Jahren arbeitet die nach ihm benannte Stiftung, die das Kompositionsmaterial unseres Jahrhunderts sammelt.

Die Kunst und die Klänge: In den zwanziger Jahren war die Wechselwirkung von Musik und Malerei besonders intensiv. Die Erschütterung aller Gewißheiten durch den Weltkrieg hatte die Rückwendung zu den antiken Mythen als Deutungsmuster der zerstörten Gegenwart zur Folge.

Dabei gingen Schriftsteller wie Claudel, Gide, Hofmannsthal oder Valéry ähnliche Wege wie die Maler und Musiker, oft kam es auch zu produktiven Überschneidungen. Zum Beispiel arbeitete die Avantgarde der Künstler für die "Ballets Russes" des Serge Diaghilew. Zusammen mit Volkstümlichem und Liedhaftem griff man auf erprobte Themen und Formen zurück, strebte die unromantische Klarheit, die virtuose Strenge des 18. Jahrhunderts an. Nicht synästhetische Grenzaufweichung zwischen den Künsten war das Ziel, sondern ihre gegenseitige Befeuerung im funkenschlagenden Dialog.

Die Komponisten hießen Erik Satie, Honegger, Poulenc, Darius Milhaud, Alfredo Casella, Malipiero, Manuel de Falla und Igor Strawinsky.

Die Ausstellung, die sie einander zuordnet, ist selbst klassisch komponiert. Auf Bildersäle mit wenigen, ihre Ausstrahlung voll entfaltenden Werken folgen solche mit Zeichnungen, Gouachen, Kleinplastiken und Vitrinen voller Musikalien. Manchmal hängen Notenseiten gerahmt an der Wand, um den Bildcharakter geschriebener Musik zu betonen.

Ihnen antworten die Noten, Instrumente und Musikanten auf Gemälden und Reliefs.